] Powermetal [

// Herbert Chwalek

Das erste Mal kam ich mit FRAGMENTS OF UNBECOMING auf dem Sampler "Heavy, oder was!? Metal Crusade V" in Berührung. Und der dort enthaltene Track 'Fragments Of Unbecoming' blies wirklich alles weg. Endgeiler Melodic Death Metal in bester Schwedentradition, allerdings nicht an IN FLAMES oder DARK TRANQILITY angelehnt, sondern eher an die göttlichen UNANIMATED erinnernd.

Mit "Skywards A Sylphe`s Ascension" bringen die Süddeutschen, die 2000 als Nebenprojekt von u.a. VENEREAL DISEASE gegründet wurden, nun ihr Debütalbum heraus. Und aus dem Stand heraus spielen sich die Jungs locker in die deutsche, ach was sage ich, europäische Spitzenklasse. Hier wird halt das Feeling der Mittneunziger aufgegriffen und ins Jahr 2004 transportiert.
Dabei sollte man jetzt aber nicht einen auf oberschlau machen und wieder mit AT THE GATES ankommen. Natürlich war "Slaughter Of The Soul" ein Meisterwerk, aber jede Band immer und immer wieder nur an AT THE GATES zu messen, wird keiner Seite gerecht, zumal es damals nicht nur eine Band gab, die diesen Stil verdammt gut spielte.

Aber zurück aus der Vergangenheit zur Gegenwart. Und da gibt es bei "Skywards A Sylphe`s Ascension" gleich etwas Besonderes. Zum einen ist der Gesang nur solide ausgefallen und manchmal auch recht stark im Hintergrund. Auch die Rhythmusabteilung setzt nicht unbedingt Glanzlichter, das wird aber alles mehr als wett gemacht durch die verdammt coole, streckenweise geniale Gitarrenarbeit. Die Gitarren halten das Heft fest in der Hand, geben das Tempo vor und setzen die bestimmenden Akzente.

Nach dem stimmigen Akustikintro 'Up From The Blackest Of Soil' wird das gleich bei 'The Seventh Sunray Enlights My Pathway' deutlich. Die Melodien sind endgeil, der Song ist aber trotzdem schön aggressiv und schnell, obwohl auch ein langsamer Teil nicht fehlt. Mit 'Shapes Of The Pursuers' schlagen FRAGMENTS OF UNBECOMING dann eine etwas andere Richtung ein. Der Track baut eher auf fette, harte Riffs, endet zwar mit Akustikgitarren, kann aber nicht ganz das Niveau seines Vorgängers halten.
Immer wenn die Band, wie z.B. bei dem doomig beginnenden 'Insane Chaosphere', eher auf Härte setzt, kann das nicht ganz so beeindrucken, obwohl diese Lieder beileibe nicht schlecht sind. Viel besser klingt aber 'Fear My Hatred', das mit einem echten Widerhakenriff beginnt und dann im Midtempo mit coolen Gitarren zu begeistern weiß. Ebenfalls cool kommt der abwechslungsreiche, sich steigernde Titeltrack rüber, dessen Melodien wirklich genial sind.
Auch 'Scattered To The Four Winds' fesselt den Hörer mit seinem Wechsel aus Schnelligkeit und Midtempo, dem interessanten instrumentalen Mittelpart und natürlich den schönen Melodien. Bei 'Entangled Whispers In The Depth' gelingt der Gruppe schließlich das Kunststück, einen aggressiven, schnellen, düsteren Song zum Ende hin melodischer werden zu lassen und beides ziemlich gut miteinander zu verbinden.

Zusammengefasst kann man FRAGMENTS OF UNBECOMING bescheinigen, wenn auch noch nicht alles Gold ist, was glänzt, ein Album abgeliefert zu haben, das im Melodic Death Metal zu den stärksten Veröffentlichungen der letzten Zeit gehört und durch seinen Bezug zu der Stimmung von Bands wie UNANIMATED auch eine gewisse Eigenständigkeit beinhaltet.
Wer jedenfalls auf Melodic Death Metal steht, sollte sich dieses blitzsaubere Debütalbum auf keinen Fall entgehen lassen.

Anspieltipps: Skywards A Sylphe`s Ascension, The Seventh Sunray Enlights My Pathway, Fear My Hatred, Scattered To The Four Winds