] Twilight [ October 2002

// Marcel Hübner vs. Sascha Ehrich

Was könnt ihr zu eurer Entstehung sagen? Was hat euch motiviert, Musik zu machen?

Aus welchen musikalischen Lagern kommen eure einzelnen Bandmitglieder? Was ist bis heute so bei euch geschehen?

Enstanden ist die Band im August 2000 aus einer simplen Idee heraus. Da Stefan und ich damals jeweils parallel bei unseren Death-Metal-Bands [Veneral Disease und Mortified] spielten, haben wir eines Abends gemeinsam festgestellt, dass uns der melodische, schwedentypische Death-Metal in unserer Musik irgendwie fehlt. Zahlreiche Riffs hatten sich über die Zeit bei uns angesammelt, wurden aber nie verwendet. Wenn man noch dazu nimmt, dass wir Schweden-Mukke schon seit fast 10 Jahren intensivst hören, war dies wohl genug Motivation, einen Schritt in die richtige Richtung zu gehen und. eine Schweden-Death-Kombo zu gründen. Dieser Gedanke war von Anfang an auch so ernst gemeint, dass wir wenige Wochen später das erste Mal probten. Die Position des Schlagzeugers übernahm Ingo (ebenfalls Schlagzeuger bei Veneral Disease) und ein Basser war auch nach einem halben Jahr gefunden. Dieses Line-Up steht bis heute und ist in anderer Form wahrscheinlich nicht denkbar. Nach eifrigem Proben haben wir dann im Mai 2002 unsere erste MCD „Bloodred Tales – Chapter I The Crimson Season“ veröffentlicht, von welcher ja auch der Titelsong auf Eurem Sampler ist.


Welches sind eure größten Einflüsse?

Als größten Einfluß müsste man die Schweden-Bands der 90er nennen, wie z.B. the mighty Unanimated, Edge Of Sanity, At The Gates, Dissection, etc. aber auch Bands der Neuzeit faszinieren uns, wie z.B. Soilwork, Dimension Zero oder Carnal Forge. Letztlich ist unser Einfluß ein Konglomerat aus Allen, aus dem wir möglicherweise Kraft und Motivation schöpfen, unsere Songs jedoch versuchen, sehr eigenständig zu schreiben. Wenn also Kritiker Vergleiche ziehen, ist dies bedingt (siehe nächste Frage) in Ordnung, für uns aber nicht der Grund, diese Musik zu machen. Fragments Of Unbecoming soll eben nach Fragments Of Unbecoming klingen, dafür arbeiten wir.


Wie würdet ihr eure Musik selbst beschreiben und kategorisieren? Und was haltet ihr von Kategorisierung bzw. Schubladendenken bezüglich Musikstilen?

Am besten ausdrücken kann man es wohl mit Swedish Styled Death Metal, da wir häufig typisch schwedische Harmoniestrukturen verwenden, der Begriff Death-Metal an sich tut es aber auch. Zur Kategorisierung muß ich sagen, dass es wohl einem Kritiker, Journalisten Vieles erleichtert, wenn er Musik besprechen kann, indem er Vergleiche zieht. Dies hat jedoch seine Vor- und Nachteile. Der Leser wird von vorneherein in eine gewisse Erwartungshaltung gelenkt und es ist gut möglich, dass er enttäuscht ist, wenn die Gruppe nicht genau nach dem Vergleich klingt. Außerdem scheint es so, dass sich eine CD besser verkauft, wenn dabei steht, dass beispielsweise die Musik Parallelen zu At The Gates aufzeigt, zumindest entnehme ich dies der Tatsache, dass dieser Vergleich in den letzten zwei Jahren immer häufiger [mehr oder minder gerecht] bei Beschreibungen zu lesen ist. Demnach werde ich persönlich immer skeptischer, wenn ich Kritiken lese.


Wie entsteht bei euch das Songwriting und wie läuft eine Recording-Session bei euch ab?

Stefan und ich arbeiten jeder für sich die Riffs zu Hause oder auch teils im Proberaum aus, wobei letzteres prozentual so bei 20% liegt. Demzufolge kommen wir oft mit fertigen Songstrukturen im Proberaum zusammen und können relativ zügig und erfolgreich arbeiten, was aber auch nicht immer funktioniert, zumal unsere Probezeit auf knapp 2 Stunden die Woche begrenzt ist. Bis dato fahren wir mit dieser Methode sehr zufriedenstellend und das Songwriting unterliegt ja auch keinem speziellen Zeitdruck. Die Schlagzeugrhythmen und Basslinien sind auch relativ schnell ausgearbeitet, was aber mit Sicherheit auch einer internen Abgestimmtheit zueinander unterliegt. Eine Recording-Session ist wahrscheinlich ganz normal wie bei anderen Bands auch. Das Schlagzeug wird mit einer Pilotgitarre zuerst eingespielt, dann folgen die Gitarrenspuren und letztlich Bass und Gesang. Zumindest ist dies die für uns unkomplizierteste Methode, einen Song aufzunehmen.


Welche Bedeutung meßt Ihr dem Sound bzw. der Produktion generell bei? Denkt Ihr beispielsweise, dass gute Songs auch mit einem durchschnittlichen Sound funktionieren können?

Das ist eine interessante Frage, die ich mit ja und nein zunächst beantworten müsste. Gehen wir z.B. von einer Demoband aus. Wenn ich von einer Demoband ein Tape oder eine CD-R bekomme, messe ich dem Sound keine übermäßige Bedeutung bei, solange mich die Band musikalisch zu überzeugen weiß. Wobei ich natürlich davon ausgehe, dass man zumindest die einzelnen Instrumente aus der Gesamtproduktion heraushören kann. Jeder Musiker wird selbst wissen, welche Kosten mit einer professionellen Aufnahme verbunden sind, demnach sollte man eine Band bei der Bewertung nicht grundsätzlich an ihrer Produktion scheitern lassen. Mit einem höheren Budget hat schon so manche Band ein wahres Soundwunder bei ihren Debut-Veröffentlichungen vollbracht. Für uns war es sehr wichtig, die Produktion möglichst transparent und zugleich druckvoll zu gestalten, da wir den Songs keinen typischen Kassetten-Sound verpassen wollten, auch wenn dies unsere erste Veröffentlichung war. Fakt ist einfach, dass man sich lieber CD´s mit einem guten als mit einem Rumpelsound anhört. Ausgenommen sind hier natürlich diejenigen, die meinen, eine Black-Metal-Scheibe müsste völlig drucklos und nach 4-Spur-Kellersound klingen. Hier kann man sowieso nicht mehr helfen!!

Ein weiterer wichtiger Punkt bei einer Produktion ist die Natürlichkeit des Klanges einzelner Instrumente. Für unseren Geschmack sind heutige Alben teilweise einfach überproduziert, d.h. übermäßig-laute und massige Keyboardteppiche, ein steriles Schlagzeug, seltsam elektronische Gitarrensounds und abartig überarbeitete Gesangslinien. Man hat so manches Mal den Eindruck, als wolle man mit der Technik immer höher hinaus, fällt dabei partiell aber immer tiefer. Vielleicht verlangt es das Business aber auch so........


Wie sieht es mit Live-Gigs aus?

Wir spielen vergleichsweise noch relativ selten, da man uns auch noch nicht so gut kennt. Wir hoffen aber, dass sich das in naher Zukunft ändert. Als nächstes spielen wir in Weimar in der Stoye Hall am 18.1.03 und weiterhin sind wir für das Party-San 2003 fest gebucht. Weitere Gigs wird es sicherlich geben, hierüber kann man sich jederzeit auf unserer Homepage informieren (einfach für den Newsletter eintragen und immer auf dem neuesten Stand sein!).


Was steckt hinter eurem Bandnamen? Wieso habt ihr diesen gewählt und was bedeutet er für euch?

Die Wahl des Bandnamens war eigentlich nicht sehr kompliziert. Wir hatten damals etliche Namen zu Auswahl und haben uns letztlich für „Fragments Of Unbecoming“ entschieden, da er zum Einen mit Sicherheit einmalig auf unserem Erdenrund ist und zum Anderen auch für unser Ohr von Anfang an gut klang. Viele Leute meinen zwar, man könne sich diesen Namen nur schlecht merken, fragt man sie aber, welchen Namen sie sich schlecht merken können, kann jeder fehlerfrei „Fragments Of Unbecoming“ zitieren. Somit ist dies auch hinfällig und basiert nur auf Faulheit. Die Bedeutung des Namens ist auch nicht weiter kompliziert. Wir sehen uns jeder für sich als Fragment eines unvollständigen Konstrukts, welches es gilt, musikalisch nach und nach zu perfektionieren und schematisch zu erweitern. Alles klar?


Was erhofft ihr euch bandtechnisch für die Zukunft? Wann ist mit neuem Material zu rechnen?

Neues Material wird zur Zeit fleißig geschrieben und wahrscheinlich im Frühjahr 2003 für eine Full-Length-CD produziert werden. Wir sind selbst gespannt, wie sich die neuen Songs mit einer guten Produktion machen. Für die Zukunft suchen wir natürlich ein seriöses Label, welches die Band unterstützt und finanziell unter die Arme greift. Wir wollen keine Plattenfirma, bei welcher FoU nur eine Band unter vielen ist und nur so nebenbei CD´s veröffentlicht. Im Grunde genommen könnten wir die neue CD wieder auf meinem Label „Sylphony Creations“ veröffentlichen und sind daher nicht abhängig von einem Vertrag, aber die finanzielle Komponente kann man einfach nicht außer Acht lassen. In jedem Fall, gleich was die Zukunft in Bezug auf ein Label bringt, werden wir unsere Full-Length 2003 veröffentlichen!


Wie steht ihr generell der Metalszene gegenüber?

Darüber könnte man mit Sicherheit ein Roman schreiben. Generell spielen und hören wir ununterbrochen Metal und feiern diesen auch ab, gar keine Frage. Jedoch ist Metal in den letzten Jahren sehr viel kommerzieller und auch unüberschaubarer geworden. Es gibt so viele gute Bands aber auch immer mehr schlechte Bands, bei welchen man meinen könnte, dass es sie nur des Trends wegen gibt, oder sich zumindest über die Jahre hinweg immer einem Trend anpassen. Damit man hier nichts falsch versteht, es nützt niemandem, wenn eine Band wie z.B. Deranged ein Album nach dem anderen mit der exakt gleichen Mukke veröffentlicht, da hierbei frühzeitig einfach schon alles gesagt ist. Ich kann aber nicht verstehen, wie z.B. eine Band wie Mundanus Imperium (auch früher als Nattefall bekannt) zunächst total genialen Black Metal spielt, später dann aber auf Power Metal umsattelt. Speziell als Musiker stellt man sich aber außerdem doch manchmal die Frage, für welchen Zweck man live spielt, wenn „Mitglieder der Metalszene“ manchmal nichts besseres zu tun haben, als im Konzertsaal rotzbesoffen rumzugrölen und Schlägereien anzufangen. Desweiteren kotzt mich der Ausverkauf des Metals generell an. Wie kann es zum Beispiel sein, dass ein Herr aus Italien das erste Satyricon-Vinyl für 900 Euro anbietet und ein zweites Exemplar für 700 Euro sogar verkaufen kann? Dies ist mit Sicherheit kein Einzelfall. Utopische Preisstaffelung ist mittlerweile Mode in der Metalszene geworden. Wie kann es sein, dass Manowar-Scheiben bei Nuclear Blast veröffentlicht werden, ihr wisst schon, das Label, welches Anfang der 90er die genialsten Death-Metal-Klassiker (wie Monstrosity oder Sinisiter)auf den Markt brachte und sich heute einen Scheiß um diese Bands und deren verdientes Aufstreben kümmert!!! Es tut einer Szene meiner Meinung nach generell nie gut, wenn Sie von einem Markt übermäßig regiert wird. Desweiteren könnte ich mich köstlich amüsieren, wenn Teenies riesige Beträge (also ihr ganzes Taschengeld) für alte Metal-Shirts springen lassen, nur damit der Eindruck erweckt wird, sie würden die Musik schon seit fast einer ganzen Dekade hören. Wo sind wir denn??? Zudem kann ein Metaller doch auch Metal abfeiern und trotzdem ein „normaler“ Mensch sein, wobei man die Hoffnung daran bei manchen Kandidaten auch verlieren kann. Verständnislos blicke ich oft Metaller an, die nicht verstehen können, dass man beispielsweise gleichzeitig Suffocation / Cryptopsy und In The Woods /Stille Oppror mögen kann. Naja, letztlich ist alles nicht unbedingt so schwarz und es wird auch nicht so heiß gegessen wie gekocht wird, aber für mich persönlich gab es auch schon bessere Zeiten in der Metalszene.


Abschliessende Worte an unsere Leserschaft?

Vielen Dank für dieses Interview, das schmeichelnde Review in der Printausgabe und die Möglichkeit, dem Leser mal Fragments Of Unbecoming präsentieren bzw. mich auslassen zu können.