] Soundbase [ February 2004

// Marc vs. Sascha Ehrich

Euer Metal Blade -Debüt „Skywards - A Sylphe´s Ascension“ erhielt durchgehend positive Kritiken. Seid ihr mit den Fan-/ Pressereaktionen zufrieden?

Hi Marc. Danke für die Glückwünsche. Selbstredend sind wir mit bisherigen Reaktionen gänzlich zufrieden. Speziell Fans und Redakteure, welche bereits mit "Bloodred Tales" vertraut waren, bescheinigen uns einheitlich die musikalisch erwartete Weiterentwicklung, was sowohl ein treibendes Kompliment, als auch eine Art Lohn für vergangene Arbeit und Investition ist. Parallel gibt es natürlich auch einige wenige Beurteilungen, die nicht gerade vor Positivismus strotzen, jedoch wäre ein allzu einheitlich positive Gesamttendenz auch verwunderlich und nur halb so ernst zu nehmen. Insofern sind wir mit Rezensionen und Einstufungen bis dato sehr angenehm überrascht und zufrieden, zumal es unsere Debüt-Scheibe ist und Fragments Of Unbecoming als für viele nie zuvor gehörter Name die Welt umsegelt.


Der Stil von Fragments Of Unbecoming enthält Verweise auf Bands wie In Flames, At The Gates etc. und doch habt ihr einen ganz eigenen Touch, was nicht zuletzt in einer gewissen Härte begründet liegt. Ich würde euch als Schnittstelle zwischen In Flames und z.B. Dismember oder Fleshcrawl beschreiben. Zufrieden damit oder seht ihr das ganz anders?

Als Schnittstelle habe ich die Musik nie betrachtet und Kompositionen entstehen generell nicht bewusst nach vorherbestimmten Melodie- oder Härteskalen. Verweise auf generell schwedische Bands beinhaltet unser Stil unter Garantie, ansonsten hätten wir ihn nicht kategorisch zu "Swedish Styled Death Metal" getauft. Allerdings würde ich persönlich keine Deiner genannten Bands (bis auf At The Gates in wenigen Partikeln) als Vergleich heranziehen, da jene Größen ein anderes Ufer belagern, sowohl soundtechnisch als auch musikalisch. Jener gesteigerte Härtefaktor oder das bewusste Einfließen von aggressiveren Stilmitteln resultiert auch weniger aus skandinavischen Projektionen, sondern liegt vielmehr daran, dass wir versuchen, ein Gleichgewicht zwischen Brutalität und melodiöser Verspieltheit zu bilden, d.h. für uns ist Death Metal durchaus reich an adrenalinhaltiger Raserei, beinhaltet aber auch ständig Gegenpole. Müsste man jedoch Fragments Of Unbecoming stilistisch in eine musikalische Ära einordnen, so würde ich Schweden im Jahre 1994/1995 (Edge Of Sanity, Unanimtated, Cardinal Sin, etc.) als prägenden Jahrgang beziffern.


Das Studio Stellwerk und der Produzent Stefan Hanbuch sind nicht so etablierte wie andere Aufnahmetempel/Produzenten. Schreibst bitte mal ein paar Worte dazu.

Das Studio Stellwerk liegt in direkter Nähe (Südhessen) und ist weiterhin in Death Metal-Kreisen daher ein fast unbeschriebenes Blatt der internationalen Studiobibel, da bis dato hier nur wenige Death Metal-Produktionen entsprungen sind. Stefan ist auch nicht ausschließlich spezialisiert auf Todesbleiproduktionen, sondern grast parallel auch alle anderen denkbar möglichen Musikdirektionen ab. Generell haben wir dieses Studio gewählt, da wir bereits unseren Demoerstling "Bloodred Tales" hier vertont hatten und sowohl die Zusammenarbeit sehr angenehm und relaxed als auch die unmittelbare Erreichbarkeit des Studios sehr wichtig für uns war.


Nach der Veröffentlichung euer Mini-CD „Bloodred Tales / Chapter I  The Crimson Season“ bekamt ihr ein Angebot von Metal Blade. Darauf arbeiten viele Bands hin, ihr habt es geschafft. Beschreib doch bitte mal eure ersten Empfindungen nach dem bekannt wurde, dass ihr den Vertrag habt. Wie hat eure Umfeld (Freunde, Muckerkollegen etc.) reagiert?

Es war ein primär unerwartetes und überraschendes Gefühl, da wir zu keinem Zeitpunkt nach Erscheinen des Demos damit rechneten, einen solch weitreichenden Schritt machen zu dürfen. Das liegt nicht an mangelnder Selbstüberzeugung, sondern vielmehr an der Tatsache, dass wir grundlegend eine von tausend Undergroundbands sind, welche alle dieses gleiche Ziel vor Augen tragen und partiell hierfür jahrelang arbeiten und sich ständig profilieren müssen. Dazu kommt, dass Stefan und Ingo nunmehr das zehnte Jahr mit Veneral Disease einleiten und bis dato kein Angebot dieser Größenordnung hatten. Kaum gründet man aber Fragments Of Unbecoming, läuft die Sache. Das ist natürlich ungewöhnlich und ob man von Gerechtigkeit im Musikbusiness sprechen kann, wage selbst ich zu bezweifeln. Generell haben uns aber viele Fans, Musikerkollegen, Freunde und Familien bestätigend beglückwünscht und ich kann hier zunächst nur von mir sprechen, wenn ich sage, dass mein Enthusiasmus in punkto Investition in Musik und Songwriting sich hierdurch nur noch verstärkt hat. Wir sind als geschlossenes Vierergespann glücklich, diese Chance bekommen zu haben!


Sowohl die Mini-CD als auch euer Metal Blade-Debut tragen im Untertitel ein „Chapter ...“. Da liegt die Vermutung nahe, dass es sich um Konzepte handelt und ein weiterer Teil folgen wird. Wovon handeln die Texte,  insbesondere auf „Skywards“?

Die Untertitel erfüllen keine höheren Bestimmungen und verbinden beide Alben nur formgerecht in einer Art Nummerierung. Übergehende Konzepte existieren daher nicht und beide Teile stehen sowohl lyrisch als auch musikalisch für unterschiedliche Schaffensphasen. Demnach wird das kommende Album womöglich mit Chapter III untertitelt werden, aber selbst diese naheliegende Vermutung ist im Moment der Beantwortung noch nicht sicher. Die Textpassagen auf "Skywards" sind weiterhin zwar ein fester Bestandteil des Gesamtkonzepts, tragen aber nicht an gleicher Gewichtigkeit wie die Musik. Die grundthematisierte Sylphe ist innerhalb des Lyrikflusses eine Art manifeste, emotionale Trägerfigur und eigentlich nicht konkret als wahrhaftige Person zu sehen. Generell haben die Texte eher einen persönlichen Stellenwert für mich und liegen weder Dogmen, noch Mythologien oder sozialer Kritik zu Füssen. Kurz gesagt und wenig ausgeschmückt - es sind (teils verschlüsselte) Erfahrungsdarstellungen basierend auf Eindrücken wie sich loszureißen, neues zu entdecken, Freiheit zu spüren, einem Weg zu folgen, neues Territorium zu betreten; gänzlich nicht wirklich leicht zu beantworten und daher sehr offen für den Leser, der auch erfahrungsgemäß sehr gerne eigens interpretiert...


Gibt es etwas hinsichtlich von Touraktivitäten zu vermelden?

Touraktivitäten sind noch nicht im Gespräch - dafür ist es noch zu früh und man wird sehen, was kommt. Zunächst sind Festivals für März und April bestätigt. Zudem sind wir bereits für das diesjährige Summer Breeze gebucht. Weitere Konzerte sind natürlich geplant und auch im Gespräch, über den jeweils aktuellen live-haftigen Stand kann man sich unter www.fragmentsofunbecoming.com informieren.


Ausblick aus die Zukunft. Wann geht es wie weiter?

Wir sind zur Zeit, wie auch sonst immer, mit Songwriting und Experimentieren für neue Songs beschäftigt und es existieren bereits drei fast fertiggestellte neue Tracks. Ein ursprünglich für "Skywards" vorgesehener Song steckt gerade in kreativer Nachbearbeitung, um dann in perfektionierter Form seinen Platz auf kommender Veröffentlichung zu finden. Des weiteren planen wir zahlreiche Live-Aktivitäten und alles weitere wird sich mehr oder minder von selbst erschließen. Wir sind gespannt und offen für die Zukunft! Außerdem wird es in naher Zukunft eine völlig neue Homepage geben...


Was immer du sagen möchtest...

Wir danken Dir für das Interesse an Fragments Of Unbecoming und dieses Interview. Alles Gute weiterhin für Dich und Soundbase und vielleicht kreuzen sich unsere Wege auf dem einen oder anderen Gig/Festival. Für Neugierige, Hungrige, Wissbegierige, Unersättliche: www.fragmentsofunbecoming.com für baren Informationsgehalt!

Ansonsten hört Euch schnellstmöglich das neue Disillusion-Album an - Killer!!!!