] Rock Hard [ January 2004

// Volkmar Weber vs. Sascha Ehrich

Hättet ihr gedacht, dass ihr so schnell nach Veröffentlichung von "Bloodred Tales" bei einem richtigen Label unterkommen würdet. Inwieweit hat euch diese Entwicklung beim Songwriting beeinflusst?

Wenn man sich schlichtweg einmal vor Augen führt, welch´ unermessliche Zahl an Bands in tiefstem Untergrundwasser jahrelang voller Enthusiasmus suchend umherschwimmen, ohne auch nur den geringsten Köder entgegengestreckt zu bekommen, so war es auch für uns zunächst weit mehr Hoffnung als annehmbare Zuversicht, daß wir eine Ausnahme darstellen dürfen. Immerhin erblickte "Bloodred Tales" nicht einmal ein Jahr das Licht dieser Welt, bevor Metal Blade Interesse zeigten. Diese Form der Entwicklung hat unseren Enthusiasmus nur zielgerecht gefördert und dabei das Songwriting jedoch in keinster Weise beeinflußt, d.h. "Skywards" wäre auch ohne Labelsupport zweifelsohne adäquat in diesem Format erschienen.


Wieso eigentlich Fragments Of Unbecoming? Wie seid ihr zu dem Namen gekommen, was bedeutet er für euch?

Als es daran ging, einen passenden Namen zu finden, hatten wir etliche Variationen zur Auswahl. Die Entscheidung sollte aber prinzipiell zu Gunsten eines sehr individuellen, nicht beliebig austauschbaren und stilistisch zunächst nicht eindeutig zuordnungsfähigen Namen ausfallen. Deshalb dieser einmalige Drei-Wort-Klang. Quelle hierfür ist kein großes Geheimnis, zumindest nicht für "Edge Of Sanity"-Fanatics...Eine derart mächtige Bedeutung verbirgt der Name aber nicht - es ist vielmehr eine Art Symbolismus für uns als Teile/Fragmente einer zu einer Art Perfektionierung der Musik treibenden Gesamtmotivation.


Seid ihr eine Band, die die Niederungen stinkender Proberäume liebt oder wie entstehen Songs bei euch?

Bis auf wenige, zählbare Ausnahmen enstehen fast alle Songstrukturen bei Stefan oder mir in den human riechenden vier vertrauten Wänden. Das gesamte Material halte ich für meinen Teil auf dem Rechner fest, um Parallelharmonien, Soli und Rhythmus-Parts ausarbeiten zu können. So können wir zumindest bei der einmalig in der Woche stattfindenden Session (hier nun aber im niederen Keller des Fellversohlers) relativ schnell Songstrukturen zusammenfügen und livehaftig erfahren. Meist arbeiten wir an mehreren, stilistisch sehr unterschiedlichen Songs gleichzeitig, um keine Ideen aufsparen oder zurückhalten zu müssen.


Hast du dich schonmal geärgert, kein Schwede zu sein? Wie seid ihr auf den Sound gestoßen, den ihr mit FOU zelebriert. Gab es musikalische Schlüsselerlebnisse mit fatalen Auswirkungen?

Laut einiger Stimmen würde das zumindest rein optisch kaum einen Unterschied machen, aber grundlegend bin ich mir selbst nur selten wirklich bewußt, ein Deutscher zu sein. Unser Sound richtet sich natürlich klar gen Schweden-Liga, nichtsdestotrotz klingt er sehr individuell. Als Schlüsselerlebnis würde ich meine erste Death Metal Scheibe "Edge Of Sanity"-The Spectral Sorrows sehen, obgleich mich jede geniale Death Metal Scheibe unendlich motiviert und treibt.


Was kann man von euch noch erwarten? In einem Interview im Chaos habe ich gelesen, ihr würdet sogar nicht davor scheuen, nackt auf die Bühne zu kommen.

Aber nur mit orange- und pinkfarbenem Corpsepaint - sonst wirkt das Bühnenlicht nicht ausreichend rauschfördernd! Erwarten kann man von uns aber noch einiges - inkl. garantierter Nichtauflösung. Hierfür ist schlichtweg noch nicht ausreichend komponiert und gesagt!


Die Liste der genialen Bands, die sich leider bereits aufgelöst haben, wird immer länger und länger. Abgesehen vom Kult-Faktor, von welcher Band würdest du am allerliebsten noch eine neue Scheibe hören.

Es ist sehr schwierig, mich auf eine Band festlegen zu müssen, da ich z.B. bezüglich "At The Gates" und "Carcass" mittlerweile den Eindruck habe, daß sie beide bereits ihre besten Scheiben geschrieben haben und die heutige Zeit eine gänzlich andere ist, als daß sie beide wieder gleichermaßen als geniale Wiederholungstäter in Aktion treten könnten. Gieren würde ich aber nach neuem Material von "Unanimated" (Vinterland`s Album könnte ja schon auf etwas hoffen lassen), "Sacrilege" (SWE), "Eucharist" oder "Cardinal Sin".


Eure Scheibe nennt sich "Skywards". Besteht eine inhaltliche Verbindung mit "Bloodred Tales" und was hat es mit dem Albumtitel/cover generell auf sich?

Den inhaltlichen Verbindungsbogen kann man problemlos über die Musik ziehen. Es hat sich stilistisch nichts verändert, uns erscheinen die Kompositionen jedoch ausgereifter, flüssiger, aber vor allem variabler. Die Akustikzwischenspiele wurden diesmal mit Akustikgitarren vertont und klingen weitaus wärmer. Rein grafisch habe ich den Spieß farblich invertiert und der Grundthematik "Himmelwärts" angepaßt, der Stil ist jedoch ähnlich und grundlegend eine Weiterentwicklung zum Debut. Textliche Inhalte haben dabei keinerlei Gemeinsamkeit, außer vielleicht was ihre Entstehung und Emotionalität angehen. Es sind daher völlig neue, unabhängige Textkapitel.