] Rock Hard [ December 2002

// Mike Borrink vs. Sascha Ehrich

Wie würdet Ihr Eure musikalische Ausrichtung selbst beschreiben? Welche musikalischen Einflüsse habt ihr?

Fragments Of Unbecoming spielen Swedish Styled Death Metal. Punkt, aus, kurz und knapp, aber diese Bezeichnung trifft den berühmten Nagel wohl auf den Kopf, wobei man uns stilistisch nicht in einer Schublade einengen kann und darf. Inspirierend für unser Songwriting und prinzipiell der Hauptgrund für das Entstehen und Aufleben der Fragments Of Unbecoming war und ist ohne Zweifel der Geist der Schweden Death Metal Bands der Neunziger, wie ihn At The Gates, Dissection, Unanimated, Edge Of Sanity, Eucharist, etc. zu Tage brachten. In unseren Songs verarbeiten wir grundlegend eigene Riffs und reichern diese auf unsere spezielle Art und Weise mit sowohl typisch schwedischen Harmonien als auch Disharmonien an. Wichtig dabei ist, ein breites Spektrum an Kreativität und Abwechslung in die Songs zu bringen. Demnach findet man bei „Bloodred Tales - Chapter I The Crimson Season“ die unterschiedlichsten Songstrukturen - von langsam, harmonisch getragenen Passagen bis hin zu High-speed-Attacken, von Instrumentalzwischenspielen zu Old-School-Todesblei-Fegern. Alles Weitere soll der Hörer selbst erfahren!


Wie sieht der Songwriting Prozess aus?

Seit Bestehen der Band teilen Stefan (Gitarre/Gesang) und ich (Gitarre) uns diesen Kreativ-Prozess, d.h. jeder arbeitet zunächst für sich seine eigenen Ideen zu Hause aus (PC sei dank, um Harmonien und Soli zu testen), welche dann regelmäßig in Probesessions auf Bandtauglichkeit geprüft werden. Der Vorteil hierbei ist, dass wir beide sehr unterschiedliche Riffs schreiben und diese getrennt ausarbeiten können. Wir kategorisieren oft vorher die Riffs, um dann später schnell entscheiden zu können, welchen Platz sie in welcher Songumgebung einnehmen können. Die Dauer, um einen Song fertigzustellen, ist hierbei natürlich immer unterschiedlich. Es kommt schon mal vor, dass sich komplette Songstrukturen während einer Session spontan ergeben, das ist aber eher die Ausnahme. Eine Durchschnittszeit für einen Song gibt es daher auch nicht.


Worum geht es in den Texten? Vor allem im Song Fragments Of Unbecoming!

Durch die gesamten Lyrics (bzw. die im Booklet abgedruckten Auszüge/Fragmente) zieht sich ein (blut)roter Faden, d.h. alle Texte sind unmittelbar miteinander verbunden und ergeben in ihrer Kombination die eigentliche Thematik von „Bloodred Tales – Chapter I The Crimson Season“. Sie beschreibt eine zeitübergreifende, kosmische Reise durch prägnante Stationen des Lebens, Sterbens, neuen Schaffens, etc. . Metaphorisch ist "Crimson Season" die zeitliche Ebene, auf welcher diese Reise an Zeit gewinnt und verliert. Dabei ist Anfang und Ende nicht fixiert und sämtliche Zwischenstationen fast ausschließlich überirdischer Natur. Aus diesem Grund würde ich ungern den Song „Fragments Of Unbecoming“ lyrisch ausgrenzen und separat erklären.


Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen? Hat er eine tiefere Bedeutung?

Wir hatten zum damaligen Zeitpunkt mehrere Bandnamen zur Auswahl, welche teils neu kreiert und teils irgendwo mal gelesen wurden. Für Fragments Of Unbecoming haben wir uns letztendlich aufgrund seines guten Klangs und seiner Einzigartigkeit unter einer Flutwelle von häufig gleichklingenden Namen entschieden. Ihm von Anfang an eine tiefere Bedeutung zugeordnet zu haben, wäre übertrieben, da der Sinn zwar nicht unwichtig aber doch für uns anfangs nur zweitrangig war. Die Bedeutung des Namens ist auch nicht weiter kompliziert: Wir sehen uns als Fragmente eines unvollständigen Konstrukts, welches es gilt, musikalisch nach und nach zu perfektionieren und schematisch zu erweitern. Hierfür steht die Band Fragments Of Unbecoming!


Welche Ziele habt ihr für die Zukunft ins Auge gefasst?

Das wichtigste und primäre Ziel für FOU ist das kommende Full-Length-Album „Skywards“, welches wir voraussichtlich im Frühjahr 2003 einspielen werden. Zur Zeit sind wir mitten im Songwriting und haben ca. 70-80 % der Songs fertig. Titel wie „Shapes Of The Pursuers“, „Skywards /A Sylphe´s Ascension“ oder „The 7th Sunray Enlights My Pathway“ werden dort anknüpfen, wo „Bloodred Tales“ ausklang. Mit diesem Album werden wir uns dann verstärkt bei zahlreichen Plattenfirmen bewerben und werden sehen, was die Zeit für FOU zu bieten hat. Desweiteren werden wir nächstes Jahr hoffentlich einige Gigs spielen können, um unser Material zu promoten. Fest gebucht sind wir bereits für das Party San Open Air 2003 (Hell-O Jarne, wör fröuen öns dörööf!!! / weiter Livetermine unter www.fragmentsofunbecoming.com), was uns sehr stolz macht!! Generell ist es uns aber wichtig, unsere musikalischen Ergüsse weiterhin auszuleben und möglicherweise mehr Hörer für unsere Mukke interessieren und gewinnen zu können.


Beschreibt bitte die beste/schlechteste Erfahrung/Auftritt als Band?

Von einer bzw. der schlechtesten Erfahrung weiß ich eigentlich nichts zu berichten, dafür gibt es uns aber vielleicht auch noch nicht lange genug, keine Rip-Offs, keine Intrigen o. ä., in 1-2 Jahren gibt es da vielleicht mehr zu berichten! Eine sehr gute Erfahrung war die ersten Studioaufnahmen, da man den Songs endlich ein Soundgewand nach seinen Vorstellungen verleihen konnte. Man hat einen völlig anderen Bezug zu dem Release, wenn man jedes nur so kleinste Detail von Anfang bis Ende selbst zu verantworten hat . Desweiteren ist es sehr positiv, dass uns Leute im Underground unterstützen und versuchen, uns bekannter zu machen. Unsere bisherigen Auftritte waren auch durchgehend sehr angenehm gewesen, egal ob wir vor zwanzig oder vor zweihundert Leuten gespielt haben.

Dennoch wurde diese Frage wahrscheinlich ein wenig zu früh gestellt.


Welche Berufe/Hobbies haben die einzelnen Bandmitglieder?

Unabhängig vom jeweiligen Beruf (Ingo: KFZ-Mechaniker | Stefan: Elektriker | Wolle: Auch irgendwas mit Elektrik?? | Sascha: Grafik-Designer) sind wir wohl zu einem Großteil damit beschäftigt, Musik in enormen Mengen zu konsumieren. Ansonsten sind Ingo und Wolle leidenschaftliche Modellmotorboot- und Modellmotorseglerbauer und Computerzocker (Lan-Parties bis zum Abwinken). Stefan hat viel mit Songwriting (da er ja auch bei Veneral Disease spielt), Fußball und seinem Motorrad zu tun und ich habe mehr oder weniger mein Hobby zum Beruf gemacht und arbeite als Grafiker in einer Agentur/Druckerei. Nebenbei leite ich seit Oktober ´02 mein eigenes Label und wenn ich gerade mal keine Musik höre (was selten genug vorkommt), gibt es gute Filme, Bücher und andere kulturelle Geschichten, die man sich zu Gemüte führen kann, nicht zu vergessen das Entspannen in freier Natur!!! Weitere Details über uns gibt es in den jeweiligen Profilen auf unserer Homepage zu lesen, eine „bunte“ Mischung ist garantiert.


Welche Reaktionen gab es bis jetzt auf euer Demo?

Die Reaktionen bis dato sind unerwartet sehr positiv bzw. partiell überwältigend für eine unbekannte Undergroundband wie FOU. Seit dem Release von Bloodred Tales im Mai diesen Jahres haben wir etliche überragende Kritiken seitens einiger Mailorder und Fanzines bekommen, waren in einem Fanzine sogar Band des Monats Oktober ´02 und haben dementsprechend auch einige Interviews geführt (wofür wir uns im Ganzen an dieser Stelle nochmals bedanken möchten). Natürlich gibt es hier und da auch den ein oder anderen konstruktiven Kritikpunkt an unserem Release, dies demoralisiert uns aber keineswegs, sondern spornt uns eher noch an, zukünftige Veröffentlichungen besser zu machen! Auch einige wenige Labels haben Interesse an uns bekundet, was wir auch nicht erwartet hätten. Mittlerweile gibt es auch einige Interessenten in Amerika und Japan, die unser Release kaufen. Außerdem wurden wir von Euch für den diesjährigen „Unerhört“-Sampler auserwählt, was uns sehr schmeichelt und das Jahr 2003 positiv abrundet. Besser hätte es nach unserer Sicht eigentlich nicht anlaufen können.


Wie schätzt ihr die Chancen von Nachwuchsbands angesichts der momentanen Marktsituation ein?

Schwierige Frage. Generell glaube ich, dass es eine wahnsinnige Zahl an Bands gibt und der Markt mittlerweile sehr überlaufen ist. Heutzutage hat fast jede Band ein eigenes Demo am Start und einen allumfassenden Überblick über die Szene hat man kaum noch. Zumindest fehlt es an Transparenz. Sicherlich gibt es sehr viele gute Bands, aber mindestens ebenso viele miserable Vertreter ihrer Zunft. Längerfristig werden die Erwartungen immer höher gesteckt und nur qualitativ hochwertige und konstante Bands werden einer strengen Selektion seitens großer Labels standhalten können. Eine Band muß auf ihre spezielle Art etwas reizvolles und prägnantes haben, um sich aus der Masse hervorheben zu können. Für uns war es beispielsweise wichtig, unser erstes Release so professionell wie möglich (natürlich entsprechend einem Etat) aufzuziehen, d.h. ein guter, transparenter Sound und ein optisch möglichst professionelles CD-Layout sind mindestens genauso wichtig wie die Musik selbst. Ergo, eine Band hat wahrscheinlich nur eine Chance größer zu werden, wenn sie bereit ist, sich den Arsch dafür aufzureißen und sich mit einer gesunden Portion Idealismus und Motivation Schritt für Schritt nach vorne kämpft. Das Business ist hart und speziell mit Death Metal ist häufig (zum Glück jedoch nicht immer!!) nur bedingt etwas zu erreichen, SAD BUT TRUE. Sehr gute (Nachwuchs)-Bands sind derzeit beispielsweise Sinners Bleed, Within Y, October Falls, etc..