] Oblivion [ October 2002

// Michael Kuhlen vs. Sascha Ehrich

Ich habe auch auf Eurer Homepage keinen nennenswerten Hinweis auf die Bandgeschichte gefunden. Wäre daher also nett, diese mal in kurzen Worten zu umreissen.

Zunächst mal vielen Dank für das Interview und den Tip mit der Bandbiografie auf der Homepage, ich werde sie schnellstmöglich einarbeiten!! Gegründet wurde Fragments Of Unbecoming von Stefan Weimar [Gitarre | Gesang] und Sascha Ehrich [Gitarre] im August 2002. Zu dieser Zeit spielte jeder von uns noch parallel in seiner hiesigen Death-Metal-Band, Stefan bei Veneral Disease und ich bei Mortified, [welche ich wiederrum nach einem halben Jahr verließ, um mich intensivst auf FOU konzentrieren zu können], d.h. zunächst war FOU nur als Projekt beider gegründet worden. Der Reiz, eine neue Band zu gründen, bestand einfach darin, seinen Fable für den schwedischen Death-Metal der Dekade von 1990-2000 auszuleben. Ein Schlagzeuger war mit Ingo [ebenfalls von Veneral Disease] schnell gefunden und nachdem sich innerhalb von einem halben Jahr einige Bassisten die Klinke in die Hand gaben, bildete schließlich Wolle das letzte, noch fehlende Glied der Band. Unter dem Banner „Fragments Of Unbecoming“ wurden dann die ersten Songs geschrieben, welche dann 2002 auf der MCD „Bloodred Tales“ verewigt werden sollten............


Auch Bandfotos habe ich keine gefunden. Macht Ihr bewusst ein (kleines) Geheimnis aus der Identität der Bandmitglieder?

Sorry, aber zum Einen befinden sich auf der Homepage ein paar Bandfotos und zusätzlich Profile jedes einzelnen Musikers und zum Anderen gibt es in der CD auch Fotos, welche zwar etwas bearbeitet sind, dies aber nur dem grafischen Zweck dient. Natürlich werden wir in naher Zukunft weitere Band- und Livefotos auf der Homepage präsentieren können, aber alles zu seiner Zeit. Demnach machen wir kein Geheimnis aus unserer Identität, hierfür gibt es auch nicht den geringsten Anlass.


Wie entstand der Bandname und was verbindet Ihr damit?

Wir hatten damals mehrere Bandnamen zur Auswahl. Zu einem Großteil bestanden diese aus einem Wort und irgendwie waren wir damit nicht zufrieden, zumal wir keinen Namen wollten, der in irgendeiner Form schon mal da war. „Fragments Of Unbecoming“ gefiel uns sofort, da er sich schön liest und zudem für uns gut klingt. Außerdem kann man ihn gut variieren, wie z.B. Fraggles Of Upstairs running oder Fragment so fun Becoming, etc. [weitere Vorschläge gerne per mail an mich], was aber kein Grund für eine Namensfindung war. Die Bedeutung des Namens ist relativ simpel: Wir sehen uns alle als Fragmente eines Ganzen, welches es gilt, musikalisch zu perfektionieren bzw. zu vervollkommnen. Letztlich war es auch für mich ein Herausforderung, einen derart langen Namen in die Form eines Bandlogos hineinzugestalten.


Musikalisch bewegen sich FoU klar im Death Metal schwedischer Prägung. Liegen hier auch Eure musikalischen Wurzeln und Einflüsse, die zur Gründung der Band geführt haben? Gibt es weitere musikalische Einflüsse der einzelnen Musiker, die im Sound der Band vielleicht nicht ganz so offensichtlich sind?

Wie schon bei der Biografie erwähnt, war und ist der schwedische Death Metal der Neunziger unsere Grundmotivation für die Bandgründung gewesen. Daher ist Schweden-Mukke auch unser großer Einfluß, wobei man hier zwischen Einfluß und Kopie differenzieren muß. Zahlreiche Bands promoten sich, indem sie sich selbst mit Bands wie At The Gates oder Arch Enemy [+ zahlreiche weitere Bands] vergleichen, was auf der einen Seite für jeweilige Bands ok ist, den Interessenten aber im Vorraus in eine ganz bestimmte Richtung bzw. Erwartung lenkt. Wir vermeiden diese Vergleiche bewusst. In unserer Musik verarbeiten wir grundsetzlich unsere eigenen Ideen und greifen einfach auf verschiedenste, typisch schwedische Harmoniemuster zurück, letztlich entsteht dann ein eigener Song. Anhand der unterschiedlichsten Vergleiche in unseren Reviews kann man auch sehen, dass selbst Kritiker sich nur selten einig werden, wonach wir klingen. Was soll ich sagen? Fragments Of Unbecoming klingen nach Fragments Of Unbecoming. Ansonsten kann man sagen, daß speziell unser Schlagzeuger einen eher nach USA tendierenden Einfluß in die Band einbringt, daß ist aber auch das gewisse rhythmische Etwas, was unsere Musik partiell ausmacht. Geschwindigkeit ist ein wichtiger Bestandteil dieser Musik und wer den Song „Bloodred Tales“ kennt wird mir zustimmen, dass dieser Song ohne Blasts nicht wirken würde.


Was verbindet Ihr mit dem Tiel des Albums „Bloodred Tales“, vor allem vor dem Hintergrund der Metapher des Blutes als Quell des Lebens?

Ich muß gestehen, dass ich diese Metapher in Bezug auf unsere Texte noch nicht gesehen habe. In gewisser Weise hast Du hierbei natürlich Recht, auch wenn das einen kleinen vampiristischen Touch hat, was ich wiederrum vermeiden wollte. Letztlich ist „Bloodred Tales“ ein Titel, der gut zu unserer Musik und dem Layout passt, mit Sicherheit habe ich mich aber nicht hingesetzt und tagelang darüber philosophiert, welch weltumschweifende Bedeutung ich ihm beimesse. Der Zusatz „Chapter I – The Crimson Season“ ist da schon transparenter und gezielter gewählt. Die Lyrics des Albums beschreiben eine zeitübergreifende Reise durch alle Stationen des Lebens, Sterbens, neuen Schaffens, etc. . Metaphorisch ist "Crimson Season" die zeitliche Ebene, auf welcher die beschriebene fiktive Person diese Reise erlebt und ihr gleichzeitig auch erliegt.


Welchen Stellenwert besitzen für FoU die Texte? Woher stammen die lyrischen Einflüsse, was beeinflusst Euch zum Schreiben von Texten wie „Reborn“ oder „An Arctic Serenade“?

Ehrlich gesagt haben die Lyrics des Albums im Vergleich zur Musik und dem Songwriting nur einen vergleichbar geringen Stellenwert. Sie sollen die Stimmung der Musik, ebenso wie das Layout, verstärken und das Gerüst unseres textlichen Gedankenguts darstellen. Dennoch haben wir nur Fragmente der einzelnen Lyrics abgebildet, da wir uns auf den ausdrucksstärksten Teil begrenzen wollten. Bei unserem kommenden Album wird das wahrscheinlich nicht mehr so sein. Was den Einfluß für die Lyrics betrifft, so kann man sagen, dass zuerst die Songs da sind und erst viel später die Lyrics kommen. Daher ist die Stimmung der Songs selbst für den Titel und den textlichen Inhalt verantwortlich. Umgekehrt wäre es bei uns wahrscheinlich nicht denkbar. Ansonsten schreibe ich gerne über die Dinge, die mich beschäftigen, beschäftigt haben oder beschäftigen werden, Themen kann man da nicht konkretisieren, da sie sich von Zeitpunkt zu Zeitpunkt verändern. Laß Dich überraschen, wie sich die Lyrics für das nächste Album entwickeln. Hierbei bin ich auch selbst gespannt.


Die Reaktionen seitens der Presse auf „Bloodred…“ waren, soweit ich das verfolgen konnte, sehr positiv. Habt Ihr mit solchen Reaktionen gerechnet?

Unglaublicherweise sind die Reaktionen bis dato nur im Bereich von positiv bis begeisternd, was wir niemals erwartet hätten. Sicherlich konnten wir damit rechnen, dass wir speziell Schweden-Death-Freaks zumindest ansprechen, dass aber auch szeneübergreifend Resonanz da ist, hätten wir nicht gedacht. Wir können uns an dieser Stelle nur für den Support der „Presse“, der Fans und der Mailorder/Distributions bedanken und werden noch härter an der Musik von FOU arbeiten. Es ist aber in jedem Fall beruhigend zu wissen, dass sämtliche Mühe und Arbeit nicht umsonst war. Dennoch ist die weltweite Konkurrenz verdammt groß und oft braucht es Zeit und dauerhafte Präsenz, um als Band zu wachsen.


Als Band, die ihre CD in Eigenregie veröffentlichen muss, stellt sich natürlich die Frage, wie Ihr dieses aufwendige und professionelle Cover habt finanzieren und gestalten können? Vor allem die graphische Gestaltung des Booklets wie auch des Covers / Pappschubers sind gigantisch? Wer zeichnet sich dafür verantwortlich? Entstande
n diese in enger Zusammenarbeit mit der Band?

Vielen Dank für das Kompliment, da fühlt man sich ja geschmeichelt. Eigentlich müsste ich diese Frage zusammen mit einem Stundenzettel/Abrechnung an meine Bandkollegen weitergeben. Aber Spaß bei Seite. Das komplette Layout war natürlich kostenlos, da es bis ins letzte Detail aus meiner Feder stammt, d.h. meine Kollegen ließen mir hierbei absolut freie Hand. Sicherlich habe ich unzählige Stunden mit dem Cover, dem Logo und dem Layout generell verbracht, aber es hat auch verdammt viel Spaß gemacht, für seine eigene Band diesen Part zu übernehmen. Einen gewissen Grad an Professionaltät setze ich mir natürlich selbst vorraus, was die Geschichte natürlich nicht gerade verkürzt und/oder vereinfacht. Zudem möchten wir dem Käufer ja auch was für´s Auge bieten. Die beste, mir unbekannte, Musik nützt mir wenig, wenn das Cover mich auf den ersten Blick nicht anspricht und ich mir stattdessen eine andere CD anschaue, wobei natürlich ein gutes Layout nicht immer gute Musik garantiert, aber darüber kann man sich sicher streiten.


Welche Bedeutung messt ihr dem Logo bei? Welche Aussage verbindet Ihr mit dem Artwork des Albums?

Das Logo ist für uns sehr wichtig, gerade in einer Zeit, in welcher jede Band ihren Grundschriftzug auf eine normale Typo reduziert. Sicherlich kann man hier das alte Argument der Unleserlichkeit anbringen, dies steht für mich jedoch nicht zur Debatte. Den alten Dimmu Borgir Schriftzug konnte man auch schwer lesen, aber die Form des Logos war derart einzigartig, dass man eine Scheibe von großer Distanz aus am Logo erkennen konnte. Weitere Beispiele sind Opeth, Naglfar, Unanimated,etc. Für mich spiegelt ein Logo mit seiner einzigartigen Form und Aufmachung auch den musikalischen Charakter einer Band wieder, d.h. man kann doch Anhand eines Logos viel schneller die ungefähre musikalische Richtung einer Band erkennen. Das gleiche gilt auch für das Layout. Mit dem Artwork wollten wir leztenendes die Stimmung der Musik grafisch umschreiben und zeitgleich abrunden. Es muß einfach nur eine Harmonie zwischen allen Teilen des Albums hergestellt sein, dann sind wir auch mit dem Endergebnis zufrieden. Eine allgemeine Aussage oder ein Appell beinhaltet das Cover nicht, es thematisiert nur „The Crimson Season“.


Gibt es bereits Interesse von Seiten der Plattenfirmen an FoU?

Bis jetzt ist das Interesse seitens der Plattenfirmen recht dünn, was aber mit Sicherheit folgende Gründe hat:

1) Der Markt ist völlig übersättigt und unüberschaubar.

2) Man hat momentan den Eindruck, dass die Plattenfirmen bei der Auswahl ihrer Bands vorsichtiger geworden sind.

3) Weiterhin hat man das Gefühl, dass gute Musik kein ausreichender Grund mehr für ein Vertrag ist.

Auf uns bezogen:

4) „Bloodred Tales“ ist unser erstes Output überhaupt und zudem ist es erst seit Mai 2002 erhältlich, daher würde es mich wundern, wenn sonderlich viele Plattenfirmen unseren Namen überhaupt schon einmal gehört haben.

5) Da die Website erst seit Oktober 2002 online ist, werden wir uns auch erst jetzt gezielt bewerben, mal sehen wie die Reaktionen sein werden.

6) Auch bei Nichtinteresse seitens größerer Labels werden wir in jedem Fall unser kommendes Album wieder auf meinem Label „Sylphony Creations“ veröffentlichen. Daran soll unsere Motivation/Musik nicht scheitern!


Was sind Eure weiteren Zukunftspläne mit FoU?

Oberste Prämisse hat das Songwriting für das kommende Full-Length-Album, welches hoffentlich im Frühjahr 2003 produziert werden kann, die Zeichen stehen jedenfalls gut. Ansonsten wollen wir zukünftig live präsent sein, unter anderem spielen wir am 18.1.03 in der Stoye-Hall in Weimar mit Fall Of Serenity und sind gebucht für das PartySan-Festival 2003 (Hell-O Jarne, wör fröuen öns dörööf!!!), alles weitere erfährt man auf unserer Homepage. Ok, alles hat einmal ein Ende, so auch dieses Interview. Die Fragments Of Unbecoming danken dem Obliveon-Zine für das geniale Review und dieses Interview, wollen wir hoffen, dass der Leser ein wenig neugierig auf unsere Mukke geworden ist.