] Nebelmond [ January 2003

// Nebelmond vs. Sascha Ehrich

Mit ´Bloodred Tales´ haben FRAGMENTS OF UNBECOMING eine wahre Killer-CD abgeliefert. Glasklar, dass ich die Band zwecks Interview kontaktieren musste. Sascha, Gitarrist und Bandoberhaupt, musste dran glauben...

Hallo Sascha, ich hoffe du hast die nötige Geduld und Ausdauer mitgebracht um meinen Wissensdurst bezüglich FRAGMENTS OF UNBECOMING zu stillen. Tja, und um die obligatorische Bandhistorie kommst du leider nicht rum...

..wir schreiben das Jahr 2000, es ist Sommer (angenehm warm, ca. 22 °C, trocken, Nord-Westwind, wolkenfreier Himmel), genauer gesagt ca. eine Woche nach dem alljährigen Wacken-Open-Air. Mehr oder minder zufällig treffen Stefan (Gitarre/Vocals) und ich uns auf einer eher belanglosen Heavy-Metal-Party irgendwo im Nirgendwo. Nach stundenlangem Ausharren fassen wir endlich den Entschluss, die Party zu verlassen, sind aber derart hoffnungslos eingeparkt, dass man sich auf eine lange Nacht im Auto gefaßt macht. Während im Autoradio die erste Bloodbath-Mini und Edge Of Sanity-The Spectral Sorrows abwechselnd laufen, kommen wir in einem Anfall von Euphorie gemeinsam auf die alles entscheidende Idee, neben der jeweils derzeit bestehenden Kombo (Stefan/Veneral Disease | Sascha/Mortified) doch spaßeshalber eine Schweden-Death-Kombo zu gründen, zumal jeder für sich parallel auch nie verwendete melodische Riffs im Hirnarchiv schon fast verstauben ließ. Gesagt, getan. Eine Woche später ist mit Ingo (Drums/Veneral Disease) der einzig passende Schlagzeuger am Start und erste Proben sind bereits zu Anfang sehr vielversprechend. Ein halbes Jahr später vervollständigt Wolle (ehemals Basser bei Disembowled) die Band, welche bereits den Namen "Fragments Of Unbecoming" trägt. Ich verlasse Mortified aufgrund musikalischer Differenzen und widme mich ganz dem neuen Aufgabenbereich. Erste Songs werden mit komplettem Line-Up einstudiert. Spätestens gegen Ende 2000/Anfang 2001 fassen wir den Entschluss, Fragments Of Unbecoming zu einer ernsthaften Band wachsen zu lassen und planen erste Aufnahmen, welche dann unter dem Banner "Bloodred Tales | Chapter I - The Crimson Season" im Mai 2002 das Licht der Welt erblicken........


Was erhoffst du dir von ´Bloodred Tales´? Oder anders gesagt, hast du dir eine gewisse Minimalzahl an Verkäufen als Ziel gesetzt?

Wir haben die CD zunächst ohne große Erwartungen veröffentlicht, d.h. es war einfach für uns wichtig, die einstudierten Songs in ein gutes Soundgewand zu packen und abzuwarten, wie die Resonanzen sein würden. Es war zu erwarten, dass zumindest einige wenige Leute die Musik mögen würden, da der Stil nicht völlig neu sondern im Gegenteil eher tendenziell altbekannt ist und somit zumindest ein gewisses genretypische Publikum anspricht. Bis dato können wir mehr als zufrieden und glücklich mit der Resonanz sein, da wir ausschließlich mit positiven Reviews bewertet wurden, einige Interviews geben konnten, live gespielt haben und mittlerweile auch international CD´s verkaufen. Hierbei möchte ich besonders hervorheben, dass es immer wieder eines der größten Komplimente für einen uns war und ist, wenn Kritiker/Musiker oder generell Konsumenten bestätigen, dass man unserer Musik Authentizität/Spielfreude und Euphorie entnehmen kann. Für diese Anerkennung sind wir sehr dankbar und der Name "Fragments Of Unbecoming" verbreitet sich langsam aber sicher.

Aus Kostengründen haben wir eine relativ übliche Auflage von 1000 Ex. pressen lassen, ohne ein Ziel an Minimalverkäufen zu haben. Natürlich gab es eine Kostenrechnung, welche Verkaufszahl unsere Produktionskosten tilgen würde, aber grundlegend war dies niemals die Motivation, ein Album zu veröffentlichen. Dennoch sind wir niemals abgeneigt, fortlaufend CD´s zu verkaufen, da dies in die Produktion des kommenden Albums einfließen wird.


Wie sieht es um einen Plattenvertrag aus? Seid ihr überhaupt daran interessiert, an ein Label gebunden zu sein oder genießt ihr lieber totale (Narren)freiheit?

Zur Zeit gibt es interessierte Labels an unserem kommenden Album, hier ist aber noch nichts derart konkret verhandelt worden, dass man bereits Namen nennen sollte und könnte. Natürlich sind wir bei entsprechenden Konditionen bereit, bei einem passenden Label zu unterschreiben, werden uns aber gleichzeitig nie unsere "Narrenfreiheit" in Bezug auf das Songwriting nehmen lassen. Die Individualität einer Band sollte eigentlich immer einhergehen mit den Bestimmungen eines Plattenvertrags. Wir wollen uns weder verkaufen noch anpassen, jedoch ein guter Support ist eine wichtige Essenz für das Wachstum einer Band.


Gibt es vielleicht so etwas wie ein Wunschlabel? Und im Gegenteil, ein Label, welches gar nicht in Frage käme, eines das du in keinster Weise aufgrund seiner Labelpolitik als unterstützenswert hälst?

Ein konkretes Wunschlabel gibt es eigentlich nicht, wir sind hierbei zunächst offen. Hätte man mir diese Frage vor einigen Jahren gestellt, hätte ich möglicherweise mit "Black Sun Records" oder "No Fashion Records" geantwortet, da diese Labels ein großartiges Album nach dem anderen veröffentlichten. Von vorneherein ausschließen würden wir Labels mit propagierender politischer Gesinnung oder solche Vertreter, bei welchen wir nur eine Band unter einem Dutzend anderer Bands wären und somit die Rolle des berühmten fünften Rades am Wagen bekämen. Desweiteren würden wir uns nie in ein vorgegebenes Muster fügen lassen. Generell veröffentlichen wir unser Album auch dann, wenn sich nichts passendes finden sollte, daran soll es nicht scheitern.


Die Reviews zu eurer CD sind ja bisher alle sehr gut ausgefallen. Es gibt wohl keinen Grund zur Klage. Bedeuten dir solche positiven Bewertungen etwas oder siehst du es nur als hilfreiche Werbung?

Es gibt zu Anfang kaum eine bessere Werbung als positive Reviews und eine generelle Mundpropaganda von versierten und bekannten Schreiberlingen als auch von begeisterten Hörern im Allgemeinen, denn dies vermittelt dem Publikum und dem potentiellen Käufer ein relativ klares Bild von unserem Album. Natürlich bedeuten uns diese Kritiken auch persönlich sehr viel, da diese Form der Anerkennung auch gleichzeitig sehr motivierend wirkt. Negative, konstruktive Kritik ist uns aber ebenso wichtig, da sie uns aufzeigt, was man in Zukunft besser machen könnte, unabhängig von den vielen Punkten, die man mit der Zeit selbst erkennt und besser machen möchte, sei es bei der Produktion oder beim Songwriting.


Unter www.fragmentsofunbecoming.com seit ihr ja auch im Internet vertreten (übrigens eine sehr gelungene Homepage, kann ich sehr empfehlen!). Welchen Stellenwert nimmt dieses moderne Medium für die Band und für dich persönlich ein? Was ich immer wieder feststelle, ist dass heutzutage echt jede noch so miese Band erstmal eine Homepage aus dem Boden stampft, anstatt sich mal um das Wesentliche, nämlich Musik, zu kümmern.

Zunächst einmal vielen Dank für das Kompliment für die Page, es hat auch lange genug gedauert, bis wir online waren. Einige glaubten wohl auch schon nicht mehr daran. Meiner Meinung nach ist die Internetpräsenz einer Band ein sehr wichtiges und oft unterschätztes Werbemedium. Mittlerweile ist das Internet oft der erste Kontakt zu einer Band, da er unpersönlich und zugleich jedoch sehr informativ ist. Der User hat also die Möglichkeit, sich ein genaues Bild von der Band zu machen, ohne diese zu kontaktieren, dies wäre vor einigen Jahren undenkbar gewesen. Es hilft ungemein, den Bandnamen zu verbreiten und ist wichtiger als jeder noch so professionell aufgemachte Flyer. Zudem ist es mittlerweile ein Standard, dass jeder sich Hörproben runterladen kann und ich bin mir sicher, dass ein Großteil aller Labels täglich das Internet nach neuen Bands durchstöbern. Der Newsletter ist hier auch eine der größten Erfindungen, da man auch ohne stetige Eigeninitiative informiert bleibt! Außerdem muss man hier mal sagen, dass Metalseiten mittlerweile zum Großteil hervorragend programmiert und designed sind.

Die Kehrseite der Medaille hast Du ja schon angesprochen und ich gebe Dir vollkommen recht, dass etliche Bands eine Internetpräsenz als ersten Schritt zur Bandgründung wählen, die Musik als wichtigster Teil aber eher zweitrangig scheint. Hierbei kann man sich köstlich über solche Bands amüsieren, welche ihre Kommerzfeindlichkeit und Undergroundposition propagieren, jedoch online den Monitor mit Werbebannern plakatieren. Wirklich mächtig true!!! Dazu kommt, dass oft jede noch so primitivste Kelleraufnahme ihren Platz auf sämtlichen MP3-Seiten bekommen muss und so verliert man auch hin und wieder die Lust am Stöbern. Ein gewisses Maß an musikalischer und soundtechnischer Qualität sollte sich jede Band von vorneherein meiner Meinung nach absprechen können.


Wenn ich mir so deine Faves auf der Homepage anschaue, stelle ich fest, dass unser Musikgeschmack jede Menge Parallelen aufweist. Schweden ist wohl auch dein Metal-Mekka, was?

Im großen und ganzen hast Du hierbei sicherlich Recht, was wohl auch daran liegt, dass meine ersten Kontakte mit Death-Metal sehr schwedisch waren, sprich "Edge Of Sanity-The Spectral Sorrows", "Dark Tranquillity-Skydancer", "Pan-Thy-Monium-Dawn Of Dreams" und natürlich "Dissection-The Somberlain". Diese Musik hat mich sehr geprägt und ich lausche ihr heute noch ebenso euphorisch wie vor fast 10 Jahren. Wenn man bedenkt, welche weiteren göttlichen Bands aus Schweden kamen und teilweise noch immer kommen: Unanimated, Cardinal Sin, At The Gates, Opeth, Merciless, Vinterland, Embraced, Necrophobic, Defleshed, etc.......Andererseits kann ich mich ebenso für eine ganze Liga Ami-Death-Metal-Bands begeistern und zwischendurch auch Bands wie In The Woods, Stille Oppror, Garmarna, Kari Rueslatten und auf jeden Fall jede Menge ältere Black-Metal-Bands abfeiern. Es wäre mir auch auf Dauer zu langweilig, mich nur einem Stil zu widmen. Es gibt derart viele hervorragende Facetten in der Musikwelt, es wäre eine Schande, sie nicht auszukosten


Speziell dass Edge of Sanity zu deinen Top 5 gehören finde ich klasse. ´The Spectral Sorrows´ war die erste Death Metal CD die ich je zu Ohren bekam. Das war mein erster Kontakt mit Metal der heftigen Art. Da war es echt um mich geschehen, ich sehe mich heute noch mit offener Kauleiste vor den Lautsprechern sitzen, haha.. Was muss das ein Bild gewesen sein! Welches ist denn deine Lieblingsscheibe von ihnen? Und wie gefällt dir ´Cryptic´, die ja ohne Dan Swanö eingespielt wurde.

Hail Brother!!! Das kann doch kein Zufall sein!!!! Meine erste Death-Metal-Scheibe war damals auch "Edge Of Sanity-The Spectral Sorrows". Bis dato war das härteste was ich kannte "Sepultura-Arise" (Ha! Bei mir war es auch Sepultura, halt nur die Chaos A.D. – Tom) und als mir dann ein Kumpel ein Tape mit Edge Of Sanity aufnahm, war ich anfangs wirklich geschockt und fasziniert zugleich: tiefergestimmte Gitarren, schräge Disharmonien und Staccato-Anschläge und zur Vollendung noch ein grollender Dan Swanö, welcher für mich heute noch einer der besten Sänger überhaupt war und ist. Songs wie "Darkday", "The Masque" oder "Jesus Cries" sind einfach Meilensteine. Demnach ist "The Spectral Sorrows" auch meine Lieblingsscheibe von Edge Of Sanity, wenngleich ich auch zugeben muß, daß wirklich jedes Album, ausgenommen "Cryptic" und "Until Eternity Ends", absolut genial und eigenständig ist und seine eigene Atmosphäre mitbringt. Diese Band ist mit der Zeit gegangen, hat aber nie an Qualität und Anspruch verloren. Selbst bei "Crimson" hatte ich Freudentränen in den Augen, da dieser Song einfach einmalig genial ist. Mit "Cryptic" kann ich mich nicht richtig anfreunden, was grundlegend eigentlich nichts mit der Abwesenheit von Dan Swanö zu tun hat. Bis auf den zweiten Song "Uncontroll Me" finde ich das Album eher langweilig und belanglos und klingt wie eine Platte, die niemals hätte erscheinen müssen. Dagegen sind Projekte wie "Nightingale" oder "Swanö´s Moontower", als auch "Overflash" um Längen besser und hörenswerter.


Ebenfalls las ich auf der HP dass du auch noch jede Menge Demos und EP´s hast. Bist du ein Raritätensammler?

Ja und nein! Ich erwerbe keine Demos/Ep´s/LP´s/CD´s, nur aufgrunddessen, dass sie ein Vermögen wert oder generell eine Rarität sein könnten. Vor Jahren habe ich sehr intensiv mit Demos, Platten und Singles gehandelt und mir dadurch einige Schmuckstücke an Land gezogen. Ich sammele eigentlich alles von einer Band, wenn sie mir außerordentlich gut gefällt und mich ihre Geschichte interessiert, d.h. angefangen von den ersten Rehearsals bis hinzu dem aktuellsten Album versuche ich alles zu bekommen. Bis zu Vervollständigung einer Serie kann es unter Umständen Jahre dauern, aber das ist mir dann auch gleich. Hierbei kann ich also schon sehr vernarrt sein, wobei die Grenze meist eine finanzielle ist.


Was sind denn so die wertvollsten Schmuckstücke deiner Sammlung?

Ich kategorisiere meine Sammlung nicht nach einem materiellen sondern vielmehr nach einem ideellen Wert. So sind z.B. Vinylserien von Edge Of Sanity, Carcass, Emperor, Dark Tranquillity, Opeth, At The Gates etc. für mich ebenso kostbar wie ein Mithotyn, Necrophagist, Dodheimsgard,Nattefall-Demo oder die damaligen EP´s von Dimmu Borgir, Einherjer oder Thy Primordial. Es sind auch oft Erinnerungen und Stimmungen, welche ich mit gewissen Alben in Verbindung bringe und gerade deshalb sind diese Scheiben für mich persönlich sehr wertvoll und unverkäuflich. Diesen "szeneverfälschenden" Burzum und Mayhem-Bootleg-Vinyl Trend boykottiere ich schon aus Prinzip, da dies nur zu Bereicherung einzelner und nicht der Band selbst dient! (Das trifft den Nagel auf den Kopf!) Will ich mir den Regenbogen ins Regal holen, kann ich mir natürlich sämtliche Mortiis-Vinyle kaufen, aber sind wir mal ehrlich, wer will denn 100-200 Euro für verschiedenfarbige Vinyle ausgeben, nur um immer wieder dieselbe primitive Einfingerkeyboard-Sülze im Regal stehen zu haben. Mit Sicherheit würden jetzt die ersten Fans mit einem bejahenden Schrei auf sich aufmerksam machen...... aber ich nicht!


Wenn es um Raritäten geht, kommt man heute ja leider nicht mehr um den Namen EBAY herum. Meiner Meinung nach könnte EBAY eine sehr gute Bereicherung für die Metalszene darstellen, jedoch hat sich dort eine Preispolitik entwickelt die wirklich nur noch als lächerlich zu bezeichnen ist (speziell im Black Metal Bereich). Da mache ich jedenfalls nicht länger mit. Was denkst du über dieses Thema?

Ich bin voll und ganz Deiner Meinung. Die bei EBAY herrschende Preispolitik nimmt langsam aber sicher ungeheure Ausmaße an und ich bin es leid, noch weiterhin nach einigen Einzelstücken Ausschau zu halten, da ich mein Monatsgehalt besser anzulegen weiß. Es entzieht sich meinem rationalen Verständnis, was einen EBAY-Käufer dazu bewegt, beispielsweise für das Vinyl von Darkthrone´s Transsylvanian Hunger DM 680.- (ist schon 1,5 Jahre her)!!! auszugeben oder viele Bieter bereit sind, für das Debut-Vinyl von Satyricon an die 500 Euro zu zahlen. Verkäufer werden hierbei auch immer dreister und so gibt es einen Kandidaten aus Italien, der seine Satyricon-Dark Medieval Times-LP´s für DM 1800.- verkaufen möchte (dies ist nicht frei erfunden, sondern schwarz auf weiß im Internet nachlesbar!!!! Ich kann verstehen, dass eine Rarität immer etwas teurer ist als der ursprüngliche Einkaufspreis und bei kleinen Pressauflagen treibt die enorme Nachfrage auch einen Preis in stolze Höhen, denn das ist Marktwirtschaft, aber wo ist denn bitteschön hierbei die Relation? Wo ist das Preis-Leistungs-Verhältnis jenseits von allen Argumenten zu Gunsten eines ideellen Wertes? Ist es wirklich möglich, eine originalgetreue Nachpressung von Vinylen zu fertigen, um damit reich zu werden? Hat Bill Gates vielleicht vor Microsoft mit gefälschten Bootleg-Vinylen seine ersten Millionen verdient? Ist Bill Gates vielleicht in seinem Paralleluniversum Mortiis? Manchmal erscheint es wie eine Modeerscheinung, einfach mal mehr Geld für eine Rarität auszugeben, weil das eben momentan jeder macht???!! Man müsste eine Berufsbezeichnung für den überteuerten Handel mit Raritäten finden, da diejenigen Händler, die seit Jahren ihr Wasser und Brot mit der Dummheit der Käufer verdienen, auch natürlich der Fairness halber steuerlich ihre Unkosten absetzen dürfen sollten - Dipl. Vinylologe mit spezieller Ausbildung f. allg. Interessen von intellektuell minderausgestatteten Raritätenjägern -.Feststeht, dass die unkommerziellste und undergroundigste Musikrichtung oft den größten Kommerz mit sich bringt, den man sich vorstellen kann, sad but true!


Gibt es Bands oder Musiker, die du besonders respektierst bzw. bewunderst, aufgrund ihrer Persönlichkeit, ihrem Charakter, ihrer Art wie sie sich in Interviews oder auf Konzerten geben (ohne jetzt Bezug auf die Musik der jeweilen Personen zu nehmen)?

Spontan kommt mir folgendes in den Sinn (dabei muss ich teilweise Bezug auf die Musik nehmen):

Mikael Akerfeldt & Opeth:
Wer schon einmal Opeth live erleben durfte, wird mir möglicherweise zustimmen, daß von dieser Band eine ganz besondere Atmosphäre ausgeht. In erster Linie umgibt diese Band eine besondere Art von Ruhe und Bescheidenheit, eine Art Ruhe vor dem Sturm. Man spürt, dass M.Akerfeldt Musik schreibt, die von grundauf ehrlich und bewegend ist und es nicht nötig hat, zu künsteln und manipuliert zu sein. Ich schätze und bewundere sehr sein individuelles Gefühl für Harmonie und sein musikalisches Vermögen, sei es in Bezug auf sein Gesang oder sein Gitarrenspiel. Opeth ist außerdem eine der wenigen Bands, bei welcher ich mir detailiert Zugang zu den Texten von Mikael Akerfeldt verschaffen muss, da sie mich immer wieder aufs Neue faszinieren.

Dan Swanö:
Für mich ist Dan Swanö, obwohl ich ihn bis dato leider nie kennenlernen konnte, aufgrund seiner musikalischen und dadurch auch persönlichen Natur eine sehr vielschichtige Person. Seine Interviews sind immer sehr interessant und aufschlussreich und zeigen in deutlichster Form, dass ein Mensch auch ohne speziell aufgesetztes Image zu überzeugen weiß. Jahrelang war der Klang des Unisoundstudios einer der genialsten Sounds überhaupt und seine Bands und Projekte sind durch die Bank weg immer qualitativ sehr hochwertig, wie z.B. Edge Of Sanity, Nightingale, Overflash, Infestdead, Moontower, etc.... Sein klarer Gesang ist zusammen mit dem von Mikael Akerfeldt das beste, was die Metalwelt je hervorbringen wird. Dan Swanö ist wohl eine feste Ikone im Metalbereich und sein Enthusiasmus in Bezug auf das Ausleben seiner musikalischen Leidenschaften ist bemerkenswert.

Ihsahn & Samoth:
Bei Emperor fasziniert mich generell, wie detailgetreu man ihre eigene spezielle Atmosphäre auf ihren Alben, um die Personen selbst und in ihren Live-Shows wahrnehmen kann. Ich habe die Entwicklung dieser Individuen kontinuierlich verfolgt und respektiere und bewundere ihr Vermögen, ständig neue bahnenbrechende Wege gehen zu können, ihr Glaube an ein festes, immer höheres Ziel. Ein sehr guter Freund hat einmal einen Konzertbesuch bei Emperor folgendermaßen geschildert: "Ihsahn versprüht eine derartige Atmosphäre, dass man annehmen könnte, die Menschenmassen im Publikum würden ihm blind folgen, wenn er es ihnen befehlen würde!"

Kristian Wahlin & Niklas Sundin:
Keine Frage, ihre Artworks sind Meilensteine, speziell im Schweden-Death-Metal-Bereich. Inspirierend und faszinierend zugleich.


Und wie steht es um Bands die bei dir das Gegenteil bewirken? Mir käme da spontan eine Witzfigur namens Glen Benton ins Gedächnis...

Vor einigen Jahren habe ich mal eine Headliner-Tour von Deicide gesehen und fand diese Arroganz, welche die Band in extremster Form ausstrahlt, einfach nur lächerlich. Ein anderes Beispiel sind generell Bands, welche versuchen, mit selbst kreiertem Image statt mit guter Musik Anerkennung zu erlangen. Für mich sind dies lächerliche Momenterscheinungen, die hoffentlich ihrem eigenen Scheingerüst und fehlender Musikalität über kurz oder lang zum Opfer fallen. Bands und Musiker, welche durch ihre kriminellen Taten an Reputation gewinnen, sind fehl am Platz.

Vor einigen Jahren habe ich mal Gorgoroth live erleben dürfen. Vor dem Konzert hat sich der damalige Schlagzeuger vor der Halle halbnackt mit Kung-Fu-Übungen (Drumsticks waren in dieser Übung integriert!) warm gemacht und jedem erzählt, wie knallhart Gorgoroth wäre und wie sie heute Abend jedem im Publikum gehörig in den Arsch treten würden. Was soll ich sagen ,es kam wie es kommen musste. Die Live-Darbietung von Gorgoroth war mit Abstand das Schlechteste was ich bis dato gesehen und gehört hatte und im Besonderen der Schlagzeuger war eine Niete auf der ganzen Bank, der sich selbst feierte wie ein junger Gott, jedoch aber keinen einzigen Takt einigermaßen sauber beherrschte.


Ok, du kennst das Spielchen. Ich werfe einige Begriffe in die Runde und du äußerst kurz deine Meinung dazu.

Metal und Politik:
Hat für mich persönlich soviel miteinander zu tun wie Gina Wild und der Papst. Leider gibt es eine steigende Zahl an Bands, welche immer wieder versuchen, sich mit ihrer politischen Gesinnung ein (fragwürdiges) Image zu verschaffen. Lyrisch begibt man sich dann oftmals in sehr musikfremde Gefilde und rückt die Musik selbst in eine Art Statistenrolle.

Fanpost:
Eins sehr positive Sache, um die ich mich gerne kümmere. Es ist immer interessant für eine Band, Meinungen und konstruktive Kritik zu sammeln und diese auszuwerten. Des weiteren ist es für uns wichtig, Kontakte zu pflegen und wir versuchen bewusst, jedem Kontakt gerecht zu werden.

Tapetrading:
habe ich vor Jahren bis zum Exzess getrieben. Es war irgendwie eine Art Sucht, von jeder Band sämtliche Rehearsals und Demos zu bekommen. Außerdem ist es die beste Möglichkeit, ein Album vorab komplett zu hören, um dann entscheiden zu können, ob man es sich als Original ins Regal stellt. Bathory-Demos hätten sich beispielsweise nie wie ein Lauffeuer über Europa verteilt, gäbe es kein Tapetrading. Mittlerweile habe ich es längst aufgegeben, da ich die Lust verlor, x-mal die Woche stundenlang Tapes zu kopieren und damit über kurz oder lang, mit alten Kassetten mein Tape-Deck ruinieren würde.

Metal (??) Hammer:
Über die Entwicklung, die Du hier ansprechen möchtest, kann ich leider keine konkrete Antwort geben, da ich den letzten Metal Hammer vor einer halben Ewigkeit in den Händen hielt und seitdem nie wieder ein Exemplar gelesen habe.

Fanzines mit CD-Sampler:
Generell sind speziell für Underground-Bands diese Sampler sehr wichtig, da sie über die hohen Auflagen jeweiliger Fanzines einen Zugang zu einem breit gefächerten Publikum finden können - also eine gute Eigenwerbung für jeweilige Bands.

Satyricon bei Virgin Records:
Mich persönlich juckt der Werdegang von Satyricon wenig, da ich diese Band nach "Nemesis Divina" sowieso nicht mehr richtig ernst nehmen konnte. Sicherlich können sie sich glücklich schätzen, mit einigen anderen Popikonen als Labelpartner dazustehen, die Bandkasse freut sich auf jeden Fall. Sie gehen eben den selbst auserwählten Weg, darüber freue ich mich weder, noch bin ich verärgert, mir ist es gleich. Ich muß gestehen, dass ich von ´Volcano´ mittlerweile vier Songs gehört habe und sie allesamt miserabel finde, ich kann diesen Songs beim besten Willen keinen Geist mehr entnehmen. Umso weniger verstehe ich die Flut an Lobpreisungen für ´Volcano´.......die Geschmäcker sind eben verschieden.(Genau. Ich finde die Scheibe nämlich Klasse.) Und die Moral von der Geschichte: Mir gefällt Satyricon-Volcano einfach nicht.


Welches war dein bisher bestes Konzerterlebnis? Besuchst du regelmäßig Konzerte?

Da gibt es eigentlich einige Konzerte, die genannt werden müssen:

1) Die damalige Cryptopsy/Nile/Vader, etc. Tour war sehr genial. Cryptopsy hatten damals ihr aktuelles Album "Whispers Supremacy" im Gepäck und waren live einfach wie ein Tornado, lediglich Lord Worm hat mir am Mikro irgendwie gefehlt. Nile tourten mit ihrem ersten Album und speziell die Atmosphäre mit Soundsamples und drei Sängern war sehr beeindruckend.

2) Einer meiner absoluten Gig-Favoriten ist die Co-Headliner-Emperor-Anthems Tour mit Morbid Angel als Headliner. Was Emperor damals live zauberten, war einfach ohne Worte und nicht von dieser Welt. Emperor war eine der wenigen Bands, die es schafften, live die Atmosphäre ihrer Alben fast soundidentisch zu performen.

3) Gar nicht so lange her, da tourten Nevermore mit "Dead Heart In A Dead World" und Soilwork durch das Land. Der Gig und speziell dieses Package waren absolut genial.

Ansonsten gehe ich generell gerne auf Konzerte, auch natürlich auf jede Menge Undergroundkonzerte, je nach dem was sich so ergibt und was sich lohnt.


Ok, nochmals zurück zu FRAGMENTS... Ihr werdet ja auf dem PartySan Festival 2003 spielen, wenn ich das richtig vernommen habe, oder?

Das hast Du vollkommen richtig vernommen. Wir sind sehr stolz darauf, da es unser erstes größeres Festival sein wird, auf welchem wir spielen, thanx to the Party-San crew!!!! Außerdem sind noch Vader, Lord Belial, Naglfar, etc. mit von der Partie und darauf freuen wir uns natürlich.


Ihr habt ja früher auch mal ´Night´s blood´ von Dissection live gecovert. Dazu muss ich dir sagen dass ´Storm of the lights bane´ bei mir einen Stellenwert besitzt, der gar nicht in Worte zu fassen ist, kurz gesagt, die Platte ist mit meilenweitem Abstand die Nr. 1 meiner Alltimefaves. Ich beginne ja jetzt schon zu zittern wenn ich nur daran denke dass irgendwann mal eine neue Dissection Scheibe veröffentlicht werden soll. Aaaaaarrrrgghhh!!!! Jedenfalls würdest du mir ein RIESENGEFALLEN tun wenn ihr auf dem PartySan das Stück auch wieder covern würdet!!! Liegt das im Bereich des Möglichen?

Leider muss ich Dich hier enttäuschen, da wir uns gemeinsam entschieden haben, diesen wirklich grandiosen Song nicht mehr zu covern. Irgendwie klingt der Song bei unserer Tonlage nicht gut genug, da wir vier Halbtöne tiefer spielen als Dissection damals. Hinzu kommt, dass wir feststellen mussten, dass speziell bei diesem Coversong der Bühnensound optimal sein muss, da die Riffs sehr filigran sind und man schnell bei einem Soundbrei auf der Bühne die Orientierung ein wenig verlieren kann, gerade weil es kein eigener Song und die Spielweise eine komplett andere ist. Wir spielen den Song weiterhin relativ regelmäßig in der Probe und wer weiß, möglicherweise graben wir ihn für die Live-Gigs irgendwann wieder aus. In jedem Fall werden wir weiterhin "Blinded By Fear" von "At The Gates" covern, da dies einfach für uns "der" At The Gates-Song schlechthin ist. Mit Sicherheit werden wir aber das eine oder andere Schmankerl für das Party San vorbereiten, man dar also gespannt sein.


Neben der Band bist du ja noch layouttechnisch tätig und du hast mit Sylphony Creations dein eigenes Label. Wie kriegst du das zeitlich eigentlich alles hin?

Zur Zeit bekomme ich eigentlich alles ganz gut unter einen Hut. Sylphony Creations gibt es offiziell seit diesem Jahr und mit Precious Art mache ich eigentlich schon seit einigen Jahren einige wenige Layouts, aber favorisiert Logos für Bands und Labels. Meine letzten Arbeiten waren das Layout für unsere CD "Bloodred Tales....", das neue Logo von "Die Apokalyptischen Reiter" und ein Logo für das italienische Label "Strider Records", welches der ehemalige Sänger von Infliction als Division von Voice of Life Germany ins Leben gerufen hat. Dazu muss man aber sagen, dass ich das nur nebenher mache, da ich hauptberuflich anderweitig vollzeitbeschäftigt bin, d.h. ich nehme mir die Zeit für SC und PA, wenn ich sie habe und kann somit sehr unabhängig von einer monatlichen Kostenrechnung agieren. Sylphony Creations soll ein Label sein, welches versucht, kleine Bands bekannter zu machen, ohne abhängig von Verkaufszahlen sein zu müssen! Wenn sich also jemand mit seiner Band bewerben möchte, so kann er dies gerne tun (Label-Kontaktadresse=Band-Kontaktadresse).


Erzähl mal ein bisschen was über diese Tätigkeiten. Machst du auch Layouts für andere Bands oder Labels? Oder beschränkst du dich auf FRAGMENTS OF UNBECOMING und Sylphony Creations?

Seit dem Bestehen von Precious Art habe ich über die Jahre hinweg immer regelmäßig Logos entworfen und angefertigt. Dies waren zum größten Teil Auftragsarbeiten und zu einem kleinen Teil Eigenkreationen. Dabei ist es mir sehr wichtig, dass die Logos sehr individuell gestaltet sind und nicht alle stilistisch gleich aussehen. Ich werde in Kürze einen Großteil der Logos auf der Fragments Of Unbecoming-Homepage ausstellen, wer also Interesse hat, kann gerne mal vorbeischauen. Was Komplettlayots betrifft, so halte ich mich gerne ein wenig zurück mit dem Annehmen zahlreicher Aufträge (wie das bekanntere Layouter machen) und fertige Auftragsarbeiten nur dann an ,wenn ich genügend Zeit und Muse dafür habe. Natürlich bin ich immer gerne bereit, Aufträge anzunehmen. Zur Zeit arbeite ich wieder an einem Cover und im März fange ich dann konkret mit den Layouts für die kommende Fragments Of Unbecoming-CD an.


Optisch ist eure CD ja wahrlich ein Hammer geworden! Das muss ja jede Menge Geld gekostet haben, hast du kürzlich eine fette Erbschaft gemacht oder wie lässt sich das erklären?

Vielen Dank für das Kompliment. Natürlich habe ich keine Erbschaft gemacht. Die Layouts für die CD waren selbstverständlich kostenlos, da sie vom ersten Bleistiftstrich an bis zum fertigen Produkt meiner Feder entsprangen. Der Pappschuber und die drei Postkarten sollten das ganze Produkt noch ein wenig edler machen und waren nicht übermäßig kostenintensiv, da ich in einer Agentur mit eigener Druckerei arbeite und so ein wenig günstiger an diese Produkte kommen konnte. Mir persönlich war es sehr wichtig, nicht einfach nur eine "normale" CD zu machen, sondern auch dem Käufer etwas zu bieten. Bis dato waren die Käufer immer sehr angetan, was die Verpackung des Produkts betrifft. Desweiteren war mir auch sehr wichtig, einen ansprechenden Flyer zu gestalten, um auch dieses Werbemedium bestmöglich abzudecken.


Bitte gib abschließend den Lesern noch einen kurzen Ausblick auf den weiteren Verlauf mit FRAGMENTS OF UNBECOMING.

Unser nächstes großes Ziel sind die Aufnahmen im Frühjahr 2003 für das kommende Full-Length-Album "Skywards", hierfür müssen noch einige wenige Songs fertigkomponiert werden. Ansonsten wollen wir im kommenden Jahr öfter live spielen als bisher und noch intensiver nach einer Zusammenarbeit mit einem Label Ausschau halten. Wer also regelmäßig über die Tätigkeiten von Fragments Of Unbecoming informiert werden möchte, kann sich gerne für einen Newsletter auf unserer Homepage eintragen.


Ok Sascha, vielen Dank für deine Unterstützung!!! Die letzten Worte überlasse ich dir....

Finally, it´s done......vielen Dank Tom für dieses interessante, lange Interview (es ist jetzt 2.30 Uhr nachts), hat wirklich Spaß gemacht, Deinen Wissensdurst zu stillen. Danke auch generell für Deinen Support!!

We´ll meet on a "Darkday","Lost""Across The Fields Of Forever""On The Other Side"","Waiting To Die" or to be "Sacrificed"!!!