] My Revelations [ February 2004

// Andreas Kafka vs. Sascha Ehrich

Hi Jungs! Glückwunsch zu eurem äußerst gelungenen Album. Seit ihr zufrieden damit?

Hi! Danke zunächst für die Glückwünsche und das Kompliment. Im großen und ganzen sind wir natürlich zufrieden mit dem Album. Speziell was das gesamte Songwriting und die Qualität der einzelnen Stücke angeht, so sind wir sehr zufrieden und können doch behaupten, unserem Ziel ein Stück näher gekommen zu sein. Vor allem haben wir durch die Aufnahmen zum ersten Longplayer deutlich aufgezeigt bekommen, wo Schwächen und Stärken liegen. Daraus resultiert für kommende Alben ein hoffentlich noch intensiveres und schlüssigeres Songwriting. Speziell was den Gesamtsound angeht, so ist er stellenweise doch noch verbesserungswürdig, obgleich wir es geschafft haben, ein nostalgisches Gefühl einzubetten, was eines unserer Ziele für die Aufnahme war. Letztlich wäre es sehr verwunderlich und auch deprimierend für einen Musiker, sämtliche Arbeiten als perfekt ansehen zu können. Es gibt glücklicherweise immer Details, die perfektioniert, ausgearbeitet oder gänzlich differenzierter umgesetzt werden können - ein weiteres unserer Ziele für kommende Alben.


Wie eure Labelmates FLESHCRAWL ist eure Mucke vom klassischen schwedischen Death Metal beeinflusst, um es mal vorsichtig auszudrücken :-) War von Anfang an klar, wie der Sound von FRAGMENTS OF UNBECOMING klingen muss oder hat sich das zufällig ergeben?

Dem Zufall überlassen wir nur sehr wenig und somit war von Anfang an unausweichlich definiert, wie der Gesamtsound klingen muss. Natürlich haben wir keinen typischen Sunlight-Sound wie Fleshcrawl, aber wir wollen auch nicht 1:1 wie bestimmte schwedische Vorreiter klingen, d.h. mehrere Funken Eigenständigkeit, sowohl den Sound als auch das musikalische betreffend, sind für uns sehr wichtig. Zudem brauchst Du es nicht vorsichtig auszudrücken, selbstredend und treffend hörbar sind wir vom klassischen schwedischen Death Metal beeinflusst, zumal die 1994/1995er Ära in jenem Genre einer der Hauptgründe für das Formieren von Fragments Of Unbecoming war. Entsprechend sollte der Gesamtsound wesentlich rauer und natürlicher als modernere Klangsphären klingen.


Wie seit ihr an den Deal mit Metal Blade geraten? Gab's noch andere Angebote?

Es gab parallel schon noch andere Angebote und obgleich wir dankbar für das Vertrauen und Bemühen anderer Mitbewerber sind, so ist es doch nicht nötig, sie beim Namen zu nennen, da wir uns letztlich für Metal Blade entschieden haben und nur diese Tatsache zählt. Allerdings ist es generell nicht eindeutig zu umschreiben, warum Metal Blade sich für uns entschieden haben. Es ist nun mal alles andere als alltäglich, als deutsche Undergroundband einen solch lukrativen Vertrag angeboten zu bekommen. Man muss einfach nur mal bedenken, wie viele Bands über einen Zeitraum von Jahren hinweg kontinuierlich Alben oder Demonstrationsveröffentlichungen auf den Markt bringen und ungesehen oder ungehört im Nichts verharren oder in jenes sang- und klanglos verschwinden. Insofern schätzen wir uns sehr glücklich und entwickeln sogar einen gewissen Stolz, diese Möglichkeit offeriert bekommen zu haben. Das Interesse oder die Aufmerksamkeit seitens des Labels entstand unter Garantie zum einen durch die durchweg kontinuierlich positive Resonanz seitens der Presse und Hörer (wobei ich beides nicht bewusst trennen möchte...), immerhin waren wir auf zwei sehr bekannten Samplern von Rock Hard und Heavy oder Was?, welche sich ausschließlich den besten nationalen und internationalen Undergroundbands ohne Vertrag widmen, und zum anderen durch die MCD "Bloodred Tales" selbst, welche wir zum Zweck einer ganz normalen Bemusterung zu Metal Blade sendeten und jene bzw. wohl das hörbare Potential letztlich zu überzeugen wusste. Dennoch ist es für eine Band immer schwierig, dies genau zu erörtern und vielleicht solltest Du parallel die Jungs selbst fragen.


Ich könnte mir vorstellen, dass es im Zeitalter der überteuerten CDs für eine noch relativ junge Band wie euch schwer ist, Platten unters Volk zu bringen. Würdet ihr euch von Fans betrogen fühlen, die sich eure CD aus dem Internet runterladen oder von Kumpels brennen lassen, anstatt sie zu kaufen?

Von Betrügen kann man eigentlich nicht sprechen. Ich höre mir heutzutage bei derartiger Flut von Neuerscheinungen auch immer häufiger die Alben zumindest in Teilen zuvor an, bevor ich mich für oder gegen einen Kauf entscheide. Nur noch sehr selten kaufe ich mir ein Album blind und selbst hier werde ich ab und an enttäuscht. Insofern betrachte ich das Internet schon als Vorteil, einfach um sich in Ruhe vorher ein Bild eines Albums machen zu können. Als Betrug betrachte ich beispielsweise den Verkauf von Promo-CDs, da sie hierfür explizit nicht ausgewiesen sind und man sich auf Kosten anderer bereichert. Insofern halte ich gesteigerte Kontrollen diesbezüglich für sinnvoll. Generell sollte es aber so sein und ich handhabe es immer so, dass man bei Gefallen in ein Album investieren sollte, sofern man die finanziellen Möglichkeiten hat. Denn hier fängt die Ungerechtigkeit gegenüber einer Band erst an und es ist ein gravierender Fehler zu denken, dass man niemals in die jeweilige Band, sondern vielmehr nur in eine Plattenindustrie und kommerziell ausgerichtete Institutionen investiert. Der Kauf von CDs unterstützt die jeweilige Band immer in ihrem Werdegang und wie sollen Erwartungen seitens z.B. eines Labels erfüllt werden, wenn jeder sich musikalisches Material aus dem Internet saugt. Traurigerweise gibt es sehr viele Hörer, die zwar einen hohen Anspruch an musikalische Qualität haben, im Widerspruch aber nicht bereit sind, jenen Aufwand zu honorieren. Verstehe dies, wer will - ich nicht!


Welche Bedeutung verbirgt sich hinter eurem Bandnamen?

Die satanischsten Verse, die je ein Mensch zu erdenken vermochte. Man lese den Bandnamen nur mal invertiert: gnimocebnu fo stnemgarf - klingt irgendwie skandinavisch, mystisch, theatralisch und bedeutungsgewichtig. Es fällt mir sehr schwer, nur ansatzweise an die Bedeutung zu denken, da mich sogleich ein kalter Schauer eisiger Nordwinde überkommt, ergreift und in fremde Äonen schleudert. Dem überdimensionalen Sinn von Fragments Of Unbecoming kann sich keiner entziehen und auch Du wirst gefangen werden und nie entrinnen können. Winsele nicht, es wird Dir nichts nützen...:-) Und jetzt mal ernsthaft: Wer hätte zur Zeit jener Bandnamensfindung gedacht, dass wir derart oft diesbezüglich gelöchert werden? Ehrlich gesagt ist uns aber der Name an sich aufgrund seiner Einzigartigkeit um ein vielfaches wichtiger als die eigentliche Bedeutung. Um Dich aber dennoch nicht im Regen stehen zu lassen - der Drei-Wort-Klang beinhaltet eine Art Symbolismus für uns als Teile/Fragmente einer zu einer Art Perfektionierung der Musik treibenden Gesamtmotivation. Alles klar?


Euer aktueller Silberling heißt ja "Chapter II - A Sylphes Ascension". Gibt es da einen direkten Bezug zum Vorgängeralbum "Chapter I - The Crimson Season"? Wenn ja, worum geht es?

Die Untertitel erfüllen keine höheren Bestimmungen und verbinden beide Alben nur formgerecht in einer Art Nummerierung. Übergehende Konzepte existieren daher nicht und beide Teile stehen sowohl lyrisch als auch musikalisch für unterschiedliche Schaffensphasen. Demnach wird das kommende Album womöglich mit Chapter III untertitelt werden, aber selbst diese naheliegende Vermutung ist im Moment der Beantwortung noch nicht sicher. Die Textpassagen auf "Skywards" sind weiterhin zwar ein fester Bestandteil des Gesamtkonzepts, tragen aber nicht an gleicher Gewichtigkeit wie die Musik. Die grundthematisierte Sylphe ist innerhalb des Lyrikflusses eine Art manifeste, emotionale Trägerfigur und eigentlich nicht konkret als wahrhaftige Person zu sehen. Generell haben die Texte eher einen persönlichen Stellenwert für mich und liegen weder Dogmen, noch Mythologien oder sozialer Kritik zu Füssen. Kurz gesagt und wenig ausgeschmückt - es sind (teils verschlüsselte) Erfahrungsdarstellungen basierend auf Eindrücken wie sich loszureißen, neues zu entdecken, Freiheit zu spüren, einem Weg zu folgen, neues Territorium zu betreten; gänzlich nicht wirklich leicht zu beantworten und daher sehr offen für den Leser, der auch erfahrungsgemäß sehr gerne eigens interpretiert...

Bezüglich der musikalischen Seite wollten wir erneut alles das ausschöpfen, was bereits auf dem Debüt seinen Anfang nahm. Allerdings klingen die Kompositionen schlüssiger und ausgereifter und stellen einen weiteren Pfeiler auf unserem Weg dar. Auf "Skywards" findet man ein sehr ähnliches Gleichgewicht aus aggressivem, brutalen,  straighten Old-School Death Metal und sehr ruhigen, hier und da melancholischen, harmonisch partiell möglicherweise ergreifenden Elementen. Das abwechselnde Spiel von Harmonie und Disharmonie, sonniger Wärme und rasender Kälte ist erneut die Grundbasis und als solche der rote Faden. Der einzig gravierende Unterschied ist das Ersetzen von damaligen instrumentellen Zwischenspielen durch eine diesmal verwendete Akustikgitarre, einfach um die Atmosphäre noch natürlicher wirken zu lassen. Natürlichkeit und Rohheit sind ebenfalls bei der Produktion oberste Prämisse gewesen, d.h. der Gesamtsound sollte nicht überproduziert und möglicherweise stilentfremdend oder stiluntauglich wirken. Ein Moderator einer deutschen Radiosendung bemerkte kürzlich, dass unsere Scheibe mal wieder eine der wenigen Veröffentlichungen sei, welche soundspezifisch sehr real klingen würde und er könne sich daher gut vorstellen, exakt diesen Klang auch live in den Ohren zu haben. Genau das war unser Ziel. Stilistisch klingen wir nun mal älter und manch einer mag es anachronistisch nennen, aber wir wollten keinen Sound á la Soilwork und Co., da er zu jenen passt, zu uns aber in keinem Fall. Aufgrund dessen haben wir im Studio (wiederum das Stellwerk Studio) keine unnötigen Soundtüfteleien zugelassen und den Grundcharakter bis zum Schluss beibehalten.


Was ich in letzter Zeit beobachte, ist die Tatsache, dass sich die Leute bei Konzerten(speziell bei Newcomer-Acts) zunehmend reservierter verhalten. Kannst du das bestätigen? Wie geht man während eines Gigs mit so einer Situation um?

Das stimmt und es ist auf eine spezielle Art faszinierend. Es liegt aber zu einem Großteil daran, dass viele Hörer unsere Musik noch nicht kennen oder sich wie bei bekannteren Acts noch keine Klassiker über Jahre hinweg herauskristallisiert haben, sprich: die Leute kennen zwar z.B. mittlerweile den Song "Bloodred Tales" sehr gut und dieser Track vermag es immer, die oft eisige Stimmung zu lösen und die Menge zunehmend zu aktivieren. Aber das ist kein Vergleich zur Reaktion, wenn wir Cover-Versionen spielen, die jeder kennt. Plötzlich tobt alles vor Dir und das bei einem Song, der nicht einmal auf dem eigenen Mist gewachsen ist. Natürlich kann das manchmal enttäuschen, aber grundlegend kenne ich eine gewisse Reserviertheit von mir selbst und kann daher verhältnismäßig gut damit umgehen. Zudem ist unsere Musik für den Hörer nicht sofort schlüssig und grooved nicht durchgehend wie bei z.B. Dying Fetus oder Six Feet Under, daher scheint es oft für den einen oder anderen schwer zu sein, unserem musikalischen Gerüst folgen zu können, auch wenn es für mich als Songschreiber alles andere als kompliziert ist. Das Gegenteil hat aber das Publikum auf dem PartySan bewiesen, welches uns als Opener regelrecht gefeiert hat und von Anfang an rotierte. Das war natürlich ein unbeschreibliches Gefühl!


Was habt ihr für die nahe Zukunft geplant? Wird es eine größere Tour geben oder den ein oder anderen Festivalauftritt?

Touraktivitäten oder größere Touren generell sind noch nicht im Gespräch - dafür ist es noch zu früh und man wird sehen, was kommt. Außerdem sind wir alle berufstätig und keine Gelegenheitsarbeiter und insofern würde sich eine Tourplanung schwieriger gestalten. Zunächst sind Festivals für März und April bestätigt. Zudem sind wir bereits für das diesjährige Summer Breeze gebucht. Weitere Konzerte sind natürlich geplant und auch im Gespräch, über den jeweils aktuellen live-haftigen Stand kann man sich unter www.fragmentsofunbecoming.com informieren. Parallel arbeiten wir aber kontinuierlich an neuem Material und eine neue Homepage wird es in Kürze auch geben.


Wie ich eurer Website entnehmen konnte, sieht's wohl so aus, als ob Sascha demnächst ein Label namens SYLPHONY CREATIONS aus dem Boden stampfen will. Werdet ihr demnächst euer Schicksal selbst in die Hand nehmen? Was kann man von dem Label erwarten?

Sylphony Creations existiert eigentlich schon länger, das erste offizielle Release war zudem unsere MCD "Bloodred Tales". Ich habe das Label auch nicht gegründet, um die Zukunft von Fragments Of Unbecoming zu unterstützen, Metal Blade hat hier weitaus bessere Möglichkeiten und Kompetenzen - keine Frage. Die Idee oder die Grundmotivation von Sylphony Creations liegt vielmehr in dem Wunsch, kleine Veröffentlichungen ohne zeitlichen oder finanziellen Druck zu machen. Natürlich liegt dieser Freiraum leider meinen zeitlichen Ressourcen zugrunde, aber ich hoffe, sehr bald das erste Vinyl veröffentlichen zu können. Wenn es dazu kommt, wird es auch eine Homepage und eine entsprechende Promotion geben, also nur noch ein wenig Geduld.


Gibt es noch etwas, was ihr noch loswerden wollt?

T-Shirts und limitierte Editionen der ersten MCD "Bloodred Tales" :-) Besser gesagt und nicht ganz so kommerziell formuliert - wer weiteres Interesse an der Band hat, kann entweder mich kontaktieren oder sich auf der offiziellen Homepage www.fragmentsofubecoming.com schlau machen.

In jedem Fall danke ich Dir für das Interview und den Spielraum, Fragments Of Unbecoming den potentiellen Lesern etwas näher gebracht haben zu können. Weiterhin alles Gute für Dich und My Revelations - hoffe, man sieht sich mal auf einem Konzert oder einem Gig auf ein kühles Blondes.