] Iron Pages [ March 2004

// Danilo Bach vs. Sascha Ehrich

Gratulation zu Eurer neuen Scheibe! Was ich bis jetzt so davon in den Magazinen mitbekommen habe, scheint die doch gut anzukommen. Hättet Ihr das so erwartet? Seid Ihr glücklich darüber?

Mit welchen Erwartungen sollte ein Band wohl in die Veröffentlichungsphase eines just produzierten Albums eingehen? Oftmals und speziell in unserem Fall fehlt ein gewisser Abstand zum Album und so fällt es schwer, die Songs objektiv zu betrachten, sie gar bewertungsorientiert einordnen zu können. Selbstredend bemerken wir aber eine musikalische Steigerung und mit den gigantischen Reaktionen zum Vorgänger "Bloodred Tales" vor dem geistigen Auge gingen wir natürlich mit sehr positiver Erwartung oder Grundstimmung in den internationalen Metallmarkt. Die Reaktionen sind nun zum jetzigen Zeitpunkt überwiegend sehr positiv, zu einem kleinen Teil mittelmäßig und mit vernichtend geringer Zahl negativ. Oftmals haben wir bei einem Großteil der Rezensionen aber den Eindruck, dass sich viele Redakteure nicht die nötige Zeit nehmen, um sich in das Material vertiefen zu können, denn ich wage zu behaupten, dass einige Strukturen nicht sofort zünden mögen. Insofern wäre es uns lieber, wenn man dem Material mehr Zeit als Unruhe schenken würde und es dann bewertet. Generell sind wir aber dennoch glücklich über erste Anläufe und es bleibt abzuwarten, ob sich der Name allein durch "Skywards" länger über Wasser halten kann. Wir sind davon überzeugt, dass es in jedem Fall gerechtfertigt wäre.


Eure CD „Skywards - Chapter II  A Sylphe's Ascension“ ist ähnlich aufwändig gestaltet, wie Eure Mini-CD „Bloodred Tales“ vorher. Das heißt, es gibt wieder einen Schuber für die CD, das Booklet ist interessant gestaltet. Möchtet Ihr Euch damit ein kleines Erkennungsbild schaffen? So wie ich das finde, lassen z. B. Ähren oder Schmetterlinge mannigfaltige Interpretationsmöglichkeiten zu, die außerhalb des typischen Death-Metal-Bereiches liegen. Sicher beabsichtigt, oder?!

Natürlich ist das beabsichtigt. Wir wollen nicht eine Band unter tausend anderen sein. Ein gehobener Anspruch an äußere Erscheinungsbilder kann auch definitiv als eine Art Markenzeichen angesehen werden und wird somit seine Weiterführung in Zukunft finden. Wenn Schenk vom Chaos Mag unsere MCD als "state of art" im Neuveröffentlichungsdschungel bezeichnet, so ist dies umso mehr ein Anreiz für mich persönlich, diesem Status immerzu gerecht zu werden. Das Layout der neuen CD ist weiterhin, wie Du schon bemerkt hast, ein atypisches Artwork und so würde ich niemals dementieren wollen, eigensinnig an meine Arbeiten heranzugehen. Was das Cover angeht, so hat es insofern eine tiefere Bedeutung, da es sowohl farbstimmlich, als auch thematisch den Titel des Albums in sich reflektiert. Ziel war es, das betitelte Emporsteigen bildlich darzustellen und es mit möglichst viel Licht anzureichern. Beim Herstellungsprozess wollte ich auch kein unbedingt typisches Death Metal Artwork machen, eine gewisse Mystik ist zwar prinzipiell unbewusst entstanden, passt aber für unser Empfinden perfekt zu den Kompositionen. Die Darstellung ist nicht hundertprozentig eindeutig und auf den ersten Blick zu erschließen, ebenso verhält es sich mit der Musik. Es sind viele Details, die es nach und nach zu entdecken gibt...


Sicher stimmt es etwas, wenn man sagt, dass in Eurer Musik doch ein wenig der schwedische Einfluss anklingt. Ich habe schon Vergleiche mit etwa Sacrilege oder Eucharist gelesen. Ich selbst denke auch ab und an verspielte At The Gates (die ersten beiden Alben). Klar, braucht man ab und an Vergleiche, um ungefähr eine Band zu beschreiben. Wie geht Ihr damit um? Stört Euch so etwas? Habt Ihr in der Tat bestimmte Vorbilder? Im übrigen fällt mir auf, dass zwei Eurer Mitglieder auch die ebenfalls talentierte deutsche Band Sinners Bleed grüßen. Habt Ihr zu denen eine besondere Beziehung?

Vergleiche dienen zur einfachen und verständlichen Umschreibung, zeugen aber auch oft davon, dass man nicht objektiv genug an ein musikalisches Material herangeht. Natürlich stören uns Vergleiche mit At The Gates nicht so sehr (auch wenn ich denke, dass mir der Vergleich zu früheren At The Gates-Werken etwas merkwürdig erscheint, da sie doch, bedingt durch partiell sehr wirres Songwriting von Alf Svensson, nicht ganz so eingängig und straight, also eher vertrackter als unser eigenes Songwriting klingen), oftmals wird es nur dadurch relativiert, dass scheinbar jede melodischere Death Metal Band mit At The Gates verglichen wird und ich glaube, dass ich nicht unbedingt erwähnen muß, wie ungerechtfertigt und banal dies in 98,84932% aller Fälle ist. Was unser Songwriting angeht, so ist der Einfluss aus dem blaugelben Norden unüberhörbar und letztlich war explizit diese Musik die Basis für das Gründen von Fragments Of Unbecoming. Somit stören mich Vergleiche nur sehr bedingt, manche sind treffend formuliert und zeugen von Kompetenz, andere wiederum sind aus luftiger Höhe gegriffen und entziehen sich jeglichem fundierten Ursprung. So ist das aber nun mal, wenn man als Band das Rad nicht grundlegend neu erfindet. Vorbilder haben wir keine, wir kochen unser eigenes Süppchen und arbeiten daran, dass Fragments Of Unbecoming nicht zu einem Unterbegriff schwedischer Vorgänger verkommt. Was den Kontakt zu Sinners Bleed angeht, so sind die Jungs seit längerer Zeit Freunde von uns. In jedem Fall lohnt es sich, ihr geniales aktuelles Album "From Womb To Tomb" anzuhören oder die Jungs mal live zu erleben. Für mich persönlich haben Sinners Bleed im deutschen Death Metal Bereich einen verdienten Ausnahmestatus.


Auf dem letzten PartySan fand ich Euch im Zelt live richtig klasse. Würdet Ihr gern wieder mal dort spielen. Covert Ihr dann auch wieder At The Gates? Was liegt denn überhaupt live zu Zeit bei Euch an? Ist eventuell eine Tournee in Aussicht oder geplant?

Gar keine Frage, wir würden jederzeit gerne wieder dort auftreten. Derartige Live-Erlebnisse vergisst man auch so schnell nicht. Allerdings ist es auf dem PartySan unüblich, dass eine Band zweimal hintereinander für Festivals gebucht wird, erst recht nicht, wenn es sich um einen Newcomer handelt. Somit bleibt zu hoffen, dass wir 2005 wieder am Start sein können - dann hoffentlich mit zweiter Langrille in der Tasche. "Blinded By Fear" von "At The Gates" hat sich fest bei uns im Live-Set verankert und wird daher immer zelebriert. Andere Cover-Versionen sind in Vorbereitung - sei also gespannt, was wir in Kürze aus der Mottenkiste holen.
Ansonsten sind natürlich jede Menge Live-Gigs für 2004 geplant, unter anderem jener auf dem Summer-Breeze 2004, für welches wir nun fest gebucht wurden. Generell kann man die aktuellen Live-Aktivitäten auf unserer Homepage www.fragmentsofunbecoming.com einsehen.

Ein Tour ist aufgrund zeitlicher Engpässe vorerst nicht geplant.


Ich denke, spielerisch habt Ihr bereits ein gutes Niveau erreicht. Wie oft probt Ihr dafür? Von welchen Musikern würdet Ihr gern einmal ein paar Tricks abschauen?

Danke für das Kompliment. Wir proben eigentlich nur ein Mal pro Woche und dann für nur ca. 2-3 Stunden. Parallel üben Stefan und ich auch zu Hause, da wir meist außerhalb der Probe alle Riffs und Melodiestrukturen ausarbeiten, um dann in der Probe möglichst fließend arbeiten zu können. Zudem spielen Stefan und Ingo bereits seit zehn Jahren bei Veneral Disease und proben hier auch noch zwei Mal die Woche. Somit ist es nur schwer denkbar, dass wir über längere Zeit auf einem musikalisch sich nicht progressiv weiterentwickelndem  Niveau verharren können. Der Anspruch eines jeden Musikers an sich selbst tut sein übriges.
Was das "Tricks abschauen" angeht, so beschäftigt sich wohl jeder immerzu damit, herauszufinden, wie Songs von Vorreitern musikalisch aufgebaut sind. Nicht zuletzt wenn es darum geht, einen Song zu covern, beschäftigt man sich sehr intensiv mit verschiedenen Spielstilen. Fast immer ist die Inspiration oder der Einfluss anderer Musiker  wohl die Grundmotivation, ein Instrument beherrschen zu wollen.


Bei Euch spielen ja kleine instrumentale Zwischenspiele eine Rolle. Könntet Ihr Euch irgendwann einmal vorstellen, ein reines Instrumental-Album in dieser Richtung aufzunehmen? Oder käme das erst in Frage, wenn Ihr runzlig und über 55 Jahre alt seid?

Unter dem Banner Fragments Of Unbecoming wird es kein reines Akustikalbum geben. Wir fordern zwar immerzu Raum für akustische Zwischenspiele, da sie eine emotionale Abwechslung und musikalische Vielfalt darbieten können, jedoch könnte ich mir nicht vorstellen, dass jene Exempel den primären Death Metal Anteil verdrängen könnten. Zumal ich wohl das einzigste Mitglied der Band bin, das sich intensiv mit akustischer Musik beschäftigt. Ergo, wenn es mal ein Akustikalbum aus meiner Feder geben sollte, dann unter anderem Namen und basierend auf anderen Inspirationen und Grundmotivationen.


Kann man eigentlich Eure ebenfalls gelungene Mini-CD noch kaufen? Hattet Ihr eigentlich davor noch ein Demo oder ähnliches veröffentlicht?

"Bloodred Tales" war unsere erste und somit einzige Veröffentlichung vor "Skywards". Jeder, der Interesse an diesem Rubin hat, sollte sich aber ranhalten, da es nur noch wenige Exemplare der streng limitierten Edition mit Pappschuber und Postkarten gibt. Es lohnt sich wohl nicht zu warten, bis jener Silberling für überteuerte Preise bei Ebay auftaucht :-)