] Heavy Oder Was?! [ November 2003

// Jörg Brauns vs. Sascha Ehrich

Was machst Du eigentlich gerade Sascha?

Hi Jarne, alter Schwede! Es ist mittlerweile kurz vor Mitternacht und ich komme gerade von der heutigen Probe, die insofern essentieller nicht hätte sein können, als dass wir den ersten brandneuen Track für ein weiteres Album fertig stellen konnten. Im Hintergrund rotiert gerade der „Rusted Angel“-Silberling von „Darkane“ und wenn ich nicht Deine Fragen beantworten müsste, würde ich wohl noch ein wenig Gitarre zocken :-) Ergo sitze ich am Rechner und tippe!


Sascha, Ihr steht kurz vor dem Release des Debutalbums, welches via Metal Blade erscheinen wird. Hättest Du gedacht, dass es nach der Veröffentlichung von der Debut-EP „Bloodred Tales – Chapter I The Crimson Season“ so schnell mit einem Album-Deal klappt. Wie seit Ihr denn an Metal Blade gekommen und wie gestaltet sich der Kontakt?

Nun gut, unser Debut full-length Album „Skywards – A Sylphe´s Ascension” wird nun endlich am 26.01.2004 in den Läden stehen und keiner von uns hätte noch vor einem Jahr gewagt daran zu glauben, dass ein großes Metal Label wie Metal Blade sich dieser Scheibe und den kommenden weiteren vier Alben annehmen würde - zumal unsere Debut-EP erst knapp ein Jahr auf dem Markt war. Obgleich wir, wider unserer Erwartungen, durchgängig positive Kritiken erhielten und zahlreiche Interviews machen konnten, so ist dies allgemein nicht gleichzeitig der sichere Weg zu einer Plattenfirma oder irgendeine Form von Garantie für ein Vertragsangebot. Heutzutage ist ein solcher Vertrag jenseits von jeglicher Selbstverständlichkeit, speziell wenn eine unbekannte Band aus dem Underground diese Form von Unterstützung erhält, zumal natürlich das Risiko vorhanden ist, dass sich die Band nicht gut verkaufen könnte. Hierbei unterscheidet sich Metal Blade in seiner Mentalität von vielen seiner Artgenossen und dies ist nur einer der vielen Gründe, warum wir uns entschlossen haben, dort zu unterschreiben. Die Jungs sahen in uns genügend Potential, um diesen Vertrag anbieten zu können. Es wäre auch widersinnig gewesen, diese Chance zu verpassen. Immerhin wird man die Scheibe sehr weiträumig erstehen können und der Name könnte grenzüberschreitend bekannter werden. Der Kontakt zu Metal Blade gestaltet sich weiterhin gut, aber weiteres kann man jetzt noch nicht ausführen, da wir erst kurze Zeit zusammen arbeiten und die Veröffentlichung des Debuts noch bevorsteht. Wir werden sehen, sind aber sehr zuversichtlich!


Wie gestaltet sich denn der Aufnahmeprozess für das neue Album und wie ist eigentlich der Titel? Was erwartet den Hörer?

Das Album wird wie gesagt auf den Namen „Skywards – A Sylphe´s Ascension“ hören. Der Aufnahme- bzw. Produktionsprozess hat nun glücklicherweise vor wenigen Wochen ein Ende genommen und wir blicken auf monatelange Arbeit zufrieden zurück. Angefangen haben wir bereits im Sommer und dann fast Wochenende für Wochenende nach und nach alles bis Anfang Herbst eingespielt, dann gemischt und im Spätoktober gemastert – all dies wieder im Stellwerk Studio in unmittelbarer Nähe unseres Sessionraums. Dem Hörer kann man von vorneherein versprechen, keine großen Veränderungen erwarten zu müssen. „Skywards“ schließt da an, wo „Bloodred Tales“ endete, was wiederum auch dadurch resultiert, dass einige Fragmente des neuen Albums bereits zu Zeiten der EP fast fertig waren. Somit wird man auf dem Album mit Songs aus verschiedenen Schaffensphasen konfrontiert und gerade dies macht für uns den wertvollen Abwechslungsfaktor aus. Wir würden niemals ein Album machen wollen, bei welchem die Songs charakteristisch einen identischen Ursprung haben, z.B. nur Old-School oder ausschließlich sehr melodisch. Kein Song gleicht in irgendeiner Form dem darauffolgenden und dennoch ist ein Fluss oder roter Faden innerhalb des Konzepts oder der 43 Minuten zu erkennen, d.h. wir haben unseren Stil konsequent fortgeführt, oder besser gesagt noch verfeinert. Die Musik ist ein wenig komplexer, vielleicht aber auch eingängiger geworden. Von brachialem Old-School Death Metal, über twin-guitar Melodie-Passagen mit ruhigeren Akustikeinspielern und High-Speed-Attacken hat hier wieder alles seinen verdienten Platz gefunden. In jedem Fall wird man erkennen, dass es sich bei den Kompositionen um Material von Fragments Of Unbecoming handelt und ich glaube sagen zu können, dass es heutzutage wenige dieser Bands gibt, welche jenen Stil noch spielen.


Die Debut-EP fiel mir damals durch Volkmar von den Reitern in die Hände. Wie war die Resonanz auf dieses Erstlingswerk?

Wie zuvor bereits erwähnt war die Resonanz großartig und wir haben eine beachtliche Stückzahl dieses Silberlings abtreten können. Es war auch erstaunlich, dass uns die Leute speziell aufgrund dessen mögen, dass wir stilistisch älter klingen und somit eher in die 1995/96er Ära gepasst hätten. Wenn man sich den aktuellen Markt ansieht, so könnte man eher vom Gegenteil ausgehen. Jedenfalls sind wir mehr als zufrieden und die Tatsache, dass ein Deal heraussprang, bestätigt diese positive Resonanz. Bleibt abzuwarten, ob wir diesen, unseren eigenen Maßstab mit „Skywards“ halten können, zumal wir jetzt zum ersten Mal mit größeren Bands gemessen und verglichen werden und hierbei kann die Welt schon wieder ganz anders aussehen. Ein gutes Gefühl mit diesem Album in der Tasche lassen wir uns aber auf keinen Fall absprechen.


Ihr habt bis dato nur recht wenige Livegigs gespielt. Warum eigentlich? Gibt es Probleme zwischen Euch und dem anderen Projekt „Veneral Disease“ Eures Drummers/Sängers?

Ein Problem mit „Veneral Disease“ gab es eigentlich noch nie. Es kam bis dato ein einziges Mal vor, dass sich ein Konzerttermin überschnitt, aber auch hier konnte eine vernünftige, für beide Bands akzeptable Lösung gefunden werden. Entsprechend verstehen wir uns untereinander sehr gut und keine Band würde der zweiten in irgendeiner Form im Weg stehen wollen.  Es gibt auch keinen besonderen Grund, warum wir nicht gerade als Immerspieler bezeichnet werden. Im vergangenen halben Jahr haben wir fast ausschließlich im Studio gearbeitet und selbst der Gig auf dem PartySan (danke nochmals für dieses Erlebnis!) war inmitten dieser Arbeit. Natürlich würden wir in Zukunft gerne mehr Gigs spielen, aber jene fallen auch nicht einfach vom Himmel und so muss man sich intensivst darum bemühen. Zudem arbeiten wir alle sehr viel und somit ist ein Gig oder eine Mini-Tour nicht sehr einfach planbar. Dennoch spielen wir immer gerne und fahren dafür auch hunderte von Kilometern!!!!!


Eure große Liebe gilt ja den schwedischen Unanimated....beeinflussen Euch die Jungs immer noch?

Diese Liebe trifft wohl zunächst nur auf Stefan und mich zu, Wolle kennt die Band wohl nur vom Namen her (wenn überhaupt) und Ingo ist die Musik zu soft. Ob man von einem direkten Einfluss sprechen kann, wage ich etwas zu bezweifeln, wenngleich wir auch schon als Nachfolgeband von Unanimated gehandelt wurden, was ich wiederrum diese Kategorisierung doch entschieden zurückweisen muss. Selbstredend haben die Jungs mit „Ancient God Of Evil“ einen Meilenstein der Extraklasse fabriziert und es ist vielleicht das Gefühl für Melodie und der einzigartige Stil, welcher sehr fragmentarisch hier und da in unserer Musik oder speziell in meinem Songwriting verwurzelt ist. Der Einfluss, sofern er denn vorhanden, ist daher eher als unbewusst anzusehen. Vielmehr sind Unanimated eine der vielen Quellen meines Enthusiasmus, diese Musik zu spielen oder ausleben zu können. Möglicherweise covern wir doch mal einen Song wie „Die Alone“ in naher oder ferner Zukunft, wer weiß.


Ist Deine großartige Layoutfirma PA (Precious Art) eigentlich noch aktiv?

Zunächst danke für das Kompliment und der Zusatz, dass sie sehr wohl noch aktiv ist!

Das Layout für die kommende Fragments Of Unbecoming-CD stammt natürlich aus meiner Feder und parallel bin ich noch beschäftigt mit diversen anderen Layouts, wie z.B. für Necrophagist und mache allerhand Kleinigkeiten so nebenbei. Mein Hauptaugenmerk liegt aber weiterhin noch immer auf der Erstellung von Logos, da Layouts doch intensivst jene Zeit in Anspruch nehmen, die ich leider immer seltener zu haben scheine. Ein weiteres Layout für die Vinylversion des Debut-Albums von Stille Oppror wird meine unmittelbar nächste Arbeit werden. Hinsichtlich dessen bin ich sehr enthusiastisch, da ich hier viel freier werde arbeiten können. PA werde ich auch wahrscheinlich niemals sterben lassen!


Was habt Ihr zukünftig mit Fragments Of Unbecoming vor?

Konkrete Ziele haben wir uns nicht gesteckt. Es gilt, in erster Linie die Band bekannter, die Leute auf uns aufmerksam zu machen. Es bleibt auch zunächst abzuwarten, wie die Reaktionen auf „Skywards“ sein werden. Ein Ziel wird sicherlich sein, mehr Konzerte oder Festivals zu spielen. Ich denke, man muss die Zukunft nicht immer unnötig herausfordern, wir gehen die ganze Sache eher gelassener an. Da wir bereits eifrig dabei sind, wieder neue Songs zu schreiben, legen wir hier einen großen Teil unserer Kraft hinein. Es ist wohl als unseren größten Anspruch zu benennen, das eigene Niveau zu halten und das Potenzial innerhalb der Band oder des Schöpfungsprozesses auszunutzen. Wir wollen nach vorne, uns weiterentwickeln und niemals stehen bleiben und uns auf der Stelle drehen. Wir sehen unseren Deal auch nicht als Ruhekissen, sondern vielmehr als Herausforderung an und hier heißt es zu arbeiten!

Vielen Dank für das Interview und die Unterstützung, Jarne, Gru? an Master Jagger und den Herrn Glas!