] Carnage [ July 2002

// Marcus Schwitalla vs. Sascha Ehrich

Ok, Sascha, dann wühl mal ein bisschen in Eurer History rum!

Die Bandgeschichte ist eigentlich schnell erzählt. Es spielten einst zwei Gitarristen in ihrer jeweiligen Amistyle-Death-Metal-Band Veneral Disease und Mortified. Man wußte voneinander nicht den jeweiligen Fable für Schweden-Death und traf sich ohne Hintergedanken eine Woche nach Wacken 2000 auf einer Party. Dort wurde man eingeparkt und mußte zwangsweise bis morgens um 5 Uhr im Auto verweilen. Als Mediator fungierte die damals gerade veröffentlichte Bloodbath-MCD, sowie mein Gottalbum Edge Of Sanity-The Spectral sorrows,welche rauf und runter liefen als man so spaßeshalber auf die Idee kam, eine Schweden-Death-Kombo zu gründen. Gesagt, getan und wenige Tage später war dann die erste Probe. Als Schlagzeuger kam nur der VD-Schlagzeuger in Frage, da es einfach in der Gegend keinen besseren gibt und man sich logischerweise schon kannte. Nach einem halben Jahr war dann auch die Position des Bassisten fest besetzt, ich verließ Mortified aufgrund musikalischer Differenzen und konzentrierte mich voll und ganz auf Fragments Of Unbecoming. Der Rest ist Geschichte.


Versuch unseren Lesern mal Euren Stil und Eure Einflüsse näherzubringen! Und was bedeutet Euer recht seltsamer Bandname Fragments of Unbecomming?

Stilistisch enthält unsere Musik eigentlich alles, was wir am skandinavischen Death-Metal mögen. Wir versuchen einfach Harmonie, Brutalität, Geschwindigkeit und Feeling in für uns passende Songstrukturen einzuarbeiten. Das Ergebnis klingt logischerweise sehr schwedisch, soll aber trotzdem nicht immer nach einem Schema F gestrickt sein sondern auch Abwechslung bieten. Daher auch die Verwendung von Instrumentalen, da sie zum einen klassisch sind und zum anderen die übrigen Songs interessanter machen. Man nehme nur Dissection´s "The Somberlain". Was wäre dieser Klassiker ohne die charakteristischen Instrumentale? Genial, aber lange nicht so interessant. Einflüsse hin oder her, es ist mehr eine Faszination für Bands wie Edge Of Sanity, Unanimated, At The Gates, Dissection, etc. die wir musikalisch ausleben. Ich gebe Dir völlig Recht, wenn Du im Review schreibst, daß wir das Rad nicht neu erfinden, aber das ist auch gar nicht unser Ziel, denn wir wollen einfach eine Leidenschaft umsetzen! Wir werden auch schon mal verglichen mit Bands wie Unanimated, Dark Tranquillity, A Canarous Quintett,etc. aber diese Vergleiche obligen jedem einzelnen.

Was unseren Bandnamen angeht, so muß ich gestehen, daß zuerst der Name/Klang da war und sich dann im Nachhinein die Bedeutung herauskristallisiert hat. Grob umrissen sind wir Teile/Fragmente eines unvollständigen musikalischen Produkts, welches wir versuchen mit der Zeit zur Vollständigkeit zu bringen, d.h. keineswegs daß unsere Songs nur halbgar sind (logisch!) sondern eher daß wir ständig bemüht sind, neuere, bessere Songs zu schreiben. Prinzipiell ordne ich aber einem Bandnamen keine gehobene Bedeutung zu. Wichtig ist, daß er gut klingt und irgendwie auch bildlich zum Konzept paßt.


Mit eurem Debüt- Demo habt Ihr ja `nen richtigen, kleinen Hammer veröffentlicht. Wie stehst Du denn jetzt mit ein wenig Abstand "Bloodred Tales" gegenüber?

Vielen Dank für das Kompliment. Ehrlich gesagt habe ich die CD ein einziges Mal bei Erscheinen auf mögliche Brennfehler geprüft, bis dato aber höchstens 1-2mal gehört. Dies liegt nicht daran, daß mir die Songs nicht mehr gefallen hat, aber aufgrund der Tatsache, daß man sich jeden Song im Studio x-mal anhören muß, verliert man die Lust, sich dann nach Erscheinen die CD öfter anzuhören. Generell sind wir natürlich stolz auf unser erstes Output und mit "ein wenig Abstand" kann ich sagen, daß wir im Nachhinein wirklich zufrieden sind. Hier und da hätte man sound- und spieltechnisch noch was verbessern können, aber solche Kleinigkeiten findet man immer. Es ist also nur allzu natürlich und notwendig, aus diesen Erfahrungen zu lernen und diese mit zum nächsten Studiotermin zu nehmen. Mit Bloodred Tales haben wir sozusagen unser erstes Kapitel abgehakt und konzentrieren uns 100%ig auf das neue Material, wobei zum Zeitpunkt der Aufnahme bereits neue Songs existierten, welche dann auf der Langrille ihren Platz finden werden.


Habt Ihr schon andere Reaktionen seitens der Presse erhalten, außer dem Review vom Legacy-Mag? Wie sahen diese denn aus?

Überraschenderweise bis dato ausschließlich positiv (siehe auch Euer Mag, welche Überraschung!!). Den Redakteuren scheint die CD wirklich zuzusagen. Was den Reiz des Outputs ausmacht, ist vielleicht die Abwechslung, sowohl vom Riffing als auch vom Tempo. Viele fühlen sich auch an die früheren Tage des Schwedischen Death-Metals erinnert. Alles weitere kann man in Kürze in weiteren Reviews z.B. im Chaos Mag, Rock Hard, Eternity-Zine, Warriors Of Armageddon-Zine, etc. nachlesen. In jedem Fall freuen wir uns natürlich, wenn man unsere Arbeit derart honoriert.


Der Sound auf "Bloodred Tales" ist verdammt fett! Also mochte Euch da jemand im Studio oder habt Uhr tief ins Portemonaie für den Sound greifen müssen?

Unser Toningenieur vom Studio Stellwerk war ein alter Bekannter von Veneral Disease, da er bereits ein Demo, die Debut-CD und jetzt das aktuelle Album von VD produziert hat. Wer den Sound dieses Releases kennt, wird sofort verstehen, warum es für uns keine Frage war, dort unser Debut aufzunehmen. Mit Sicherheit war es ein Vorteil, daß er zuvor bereits mit einer Death-Metal-Band gearbeitet hat, da er auf diesem Sektor somit reichlich Erfahrungen sammeln konnte. Da er nicht nur Metal-Bands produziert sondern auch alles, was sich sonst unter dem riesigen Begriff "Musik" verbirgt, hat er natürlich weitreichende Erfahrungen was den Sound angeht. Die Stimmung war total relaxt und somit haben wir in einem Zeitraum von 2/3 Monaten die CD nach und nach produziert. Mit dem Sound sind wir auch wirklich zufrieden und das Preis-Leistungs-Verhältnis war auch top! Es ist zwar kein Fredman-Sound (wie bei "Slaughter of the soul") aber das ist ja auch keine Bedingung. Sehr wahrscheinlich werden wir unsere nächste CD auch wieder dort produzieren.


Und wer ist für das klasse Artwork zuständig gewesen? Was soll denn das Cover darstellen?

Das gesamte Artwork/Konzept ist auf meinem Mist gewachsen also vielen Dank für das Kompliment. Insgesamt war es für mich eine sehr zeitintensive aber auch interessante Arbeit, mit dem Ergebnis bin ich aber doch letztenendes sehr zufrieden. Interessant ist dabei die Tatsache, daß man wirklich vom ersten Bleistiftstrich beim Logo bis hin zu einem fertigen Layout alles mit der Zeit entwickelt und tausendfach verwirft, erneut beginnt, ändert und wieder verwirft, bis man irgendwann zufrieden ist. Das Cover soll in seiner speziellen Farbstimmung den Album-Titel "Crimson Season", also diese in den Lyrics partiell umschriebene zeitliche Ebene (Jahreszeit), bildlich darstellen. Ansonsten mag ich persönlich generell die Farbkombination rot-schwarz-weiß-silber, da sie eine spezielle Wirkung hat.


Erzählst Du uns etwas über Eure Texte?

Die Lyrics im Booklet der CD sind Ausschnitte/Fragmente des jeweils hörbaren Textes und haben lediglich die Intention, die Haupthandlung und die sich damit verbindende Stimmung jedes einzelnen Songs auf eine lyrische Gesamtkomposition zu kompensieren. Somit zieht sich eine Art (blut) roter Faden durch die gesamten Lyrics. Sie reflektieren eine Art zeitübergreifenden Reise, welche alle Stationen des Lebens,Sterbens und eines neuen Schaffens umfahren. Mit "Crimson Season" ist dabei diese nicht greifbare zeitliche Ebene gemeint, auf welcher dies alles geschieht. Es kann sich jedoch jeder seinen eigenen Reim darauf machen.


Deutschland ist ja nun Vize-Weltmeister. Habt Ihr das Spektakel verfolgt?

Ob man diese Weltmeisterschaft ein Spektakel nennen kann? Eher eine der bis dato überraschendsten Weltmeisterschaften. So richtig verfolgen konnte sie wohl keiner von uns, da jeder seiner täglichen Arbeit nachgehen mußte und die Spielzeiten waren wirklich zuschauerunfreundlich! Die Spiele der Deutschen NM habe ich bis auf das Finale nur im Radio verfolgt und scheine hierbei nicht allzuviel verpaßt zu haben. Das Finale endete eigentlich wie erwartet und das war auch in Ordnung. Das einzige Spiel was mir aufgrund seiner Qualität im Kopf geblieben ist, war Spanien-Irland, das vielleicht beste Spiel der WM?


Wie sieht denn die Szene bei Euch in Crumbach aus? Gibt`s da nochmehr Bands, die man kennen muß? Habt ihr guten Kontakt zu den Bands?

Geniale Frage! Auch wenn ich enttäuscht bin, daß jemand wie Du, der sich Szenekenner nennt, die hiesige, weltweit bekannte Fränkisch-Crumbach-Szene nicht kennt?! Normalerweise muß ein Release mit dem Prädikat "wertvoll" ausgezeichnet werden, wenn es aus dieser veruchten Gegend stammt. Fränkisch-Crumbach ist demnach mit Florida oder Goteburg zu vergleichen. Es ist außerdem für jeden echten Metaller zu erkennen, daß wir den Original-Fränkisch-Crumbach-Style der frühen neunziger spielen! Normalerweise muß ich wohl auch nicht anmerken, daß wir wohl die einzig deutsche Millionenstadt sind, in welcher der Bürger auf der Stadtverwaltung einen Ausweis beantragen kann, in welchem bescheinigt wird, daß er oder sie, egal welchen Alters, bereits mit 13 Jahren Venom und schon mit 14 Jahren Mayhem und Burzum gehört hat. Diese Ausweise sind weltweit anerkannt und öffnen so manchem jedes nur erdenkliche Tor, außerdem ist somit jeder obertrue!! Zudem haben wir "die" Blackmetalhochburg "Von-und-zu-egal-hauptsache-es-klingt-adelig",d.h. sämtliche Schwarzmetaller mit einem selbsternannten Adelstitel im Pseudonym (Lord, Graf, Sir, Baron,etc.) sind tatsächlich hier geboren, das wußte bisher wahrscheinlich auch noch keiner!! Letztes Jahr war unsere Stadt in der Presse, weil die ältere Generation im Obst- und Gartenbauverein (sämtliche GroßpABBATH und alle DeOMAZ - geniales Zitat "Emerald-Zine") die wohlschmeckendste Frühstückskonfitüre aller Zeiten, nämlich das Eurony-Mus, dem Weltmarkt offerierte. Andere weltverändernde Erfindungen wie die wasserdichten GummistEvil gingen speziell in den Wintermonaten durch alle Medien. Ergo, "die Hölle mein Freund, so sieht sie aus" und daß ist wohl auch das hiesige Lebensmotto, gerade wenn wir die schwarze Olympiade alljährlich im dicksten Winter und zur finstersten Jahreszeit einläuten. Teilnahmebedingungen: 1)Auch und gerade bei Nacht muß jeder eine Sonnenbrille tragen, 2)Wer friert, fliegt sofort aus dem Rennen, 3) Jeder Teilnehmer, der an der Staffel bzw. dem Fackellauf teilnehmen will, muß auch Feuerspucken können, möglichst senkrecht nach oben, so daß die Körperhaltung sehr böse aussieht, denn das wird natürlich mit 90% gewertet, 4) Das zulässige Gesamtgewicht an zu verwendender Schminke ist auf 3kg beschränkt, 4) Wer weder Heulen kann wie ein Wolf noch meckern kann wie eine Ziege (so wie bei Impaled Nazarene-Tol kormt norz norz norz und nicht anders!!!!), der muß wenigstens im Donald Duck-Style schreien können, 5) Gewonnen hat der- oder diejenige (Belzeeeeebubbb oder Lillllliiitthhhhh), welcher für das meißte Geld eine Original Satyricon oder Mayhem LP ersteigert ( mindestens 300.- €, mit Signatur (auch wenn nicht von den Musikern) ), dann am glaubwürdigsten behauptet, er hätte das Vinyl schon immer gehabt und zur (eigenen)Krönung noch das originellste Pseudonym als seinen oder ihren Geburtsnamen angibt. Der Gewinner der letzten Olympiade, "Abbrath Kaddabbrath Fiddibuth", überzeugte dadurch, daß er senkrecht nach unten Feuer spuckte, dabei leider alle Haare verlor, sich aber dann als mutierter Werwolf, den Namen Michael Piesch (daran werden jetzt einige zu knabbern haben) in den Bierbauch ritzte und dann mit bösester Grimasse krächzte: "Oh,hail my unholy Eurony-Mus, my fate, my hate will be in thy marmelade!"

So, und jetzt mal ganz ohne IRONIE!

Zunächst bin ich das einzige Bandmitglied aus Fr.-Crumbach, alle anderen wohnen an der Bergstraße (an der Grenze von Baden-Würtemberg und Hessen). Den Begriff "Szene" auf Fr.-Crumbach anzuwenden ist so abstrus und in sich komisch, wie Metal mit Volksmusik zu vergleichen. Es ist eben ein relativ idyllisches 2500-Einwohner-Dorf, welches musikalisch nichts weiter hervorbringt, als ein Jugendvolksmusikduo, bestehend aus zwei adretten, stets angemessen-gekleideten Playback-Affen, die "musikalisch" in tausenfach gehörter Leier das umsetzen, was sich auf dem Land schnell zu Geld machen läßt. Ansonsten gibt es eben nur die allgemeine Marschmusikvereinsplage und ähnliches. An der Bergstraße und Umgebung gibt es da schon eher eine kleine Szene mit Bands, die sich untereinander natürlich kennen, wie Veneral Disease, Necrophagist, Legacy, Stigmatized, Lunatism, Anguish, Mortified, Tombthroat, etc.


Könnt ihr Live spielen?

NATÜRLICH KÖNNEN WIR LIVE SPIELEN!! Unser erstes Konzert haben wir im November letzten Jahres gespielt, danach das "Chuck Schuldiner-Benefiz-Festival" in Ludwigshafen und noch ein Underground-Konzert in der Nähe. Nächster Termin ist am 23.8.02 in Jena, nähere Infos hierzu kann man ab 01.08.02 auf unserer Homepage www.fragmentsofunbecoming.com (gnadenlos-kostengünstige Schleichwerbung!)einsehen. In Jena gibt es dann sowohl genügend neue Songs als auch logischerweise CD-Material und zwei Cover-Schmankerl zu hören.


Waren Du und Stefan bei Veneral Disease nicht mehr zufrieden oder warum habt ihr V.D. verlassen?

Hat die Gerüchteküche wieder intensivst gebrodelt oder woher hast Du derartige Infos? Prinzipiell habe ich nie bei Veneral Disease gespielt, kann also auch nicht dort ausgestiegen sein. Stefan spielt natürlich weiterhin bei VD und bleibt auch mit Sicherheit dort, da VD einen ganz anderen Stil als Fragments Of Unbecoming spielen und schon seit ´94 am Werkeln sind (die neue CD "Perpetual Pain Procedure" killt!!!). Wir verstehen uns alle untereinander sehr gut und bis dato gab es keinen Grund, irgendetwas am festen Bestehen beider Bands zu ändern.


Wie sieht denn Euer Promo-Programm aus? Habt Ihr Plattenfirmen mit "Bloodred Tales" bemustert? Habt Ihr schon was an Feedback erhalten?

Du meinst jetzt sicher alles außer Autogrammkarten, Nacktfotos und diversen Castings? Die gesamte Promotion versuche ich sehr weiträumig, jedoch gezielt und möglichst im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten zu gestalten, d.h. außer Flyer verteilen/verteilen lassen, der Homepage und Mundpropaghanda ist es natürlich wichtig, Magazine mit Promomaterial für Reviews zu versorgen, da andere immer objektiver dem Release gegenüberstehen, als man es selbst vermag. Eine jeweilige Bewertung ist immens wichtig für eine Band, um einen gewissen Stellenwert zu fixieren, sollte aber nicht dazu verleiten, seinen Stil, um einer besseren Kritik willen, in eine Richtung zu verändern, die zunehmends vom eigens gewollten Weg abweicht (Hier nochmal ein Dankeschön an Euch für die gute Kritik und dieses Interview, ohne diese "Unterstützung" seitens der Redakteure oder Fans kann eine Band eben nicht auf Dauer seinen Bekanntheitsgrad steigern). Einige Plattenfirmen haben wir auch schon mit einer Promotion-Mappe versorgt, hier ist aber längst nicht jedes Label angeschrieben, welches eventuell Interesse/Gefallen äußern könnte. Generell ist aber das allgemeine Feedback seit dem Erscheinen der CD im Mai sehr gut und liegt über den Erwartungen, welche wir selbst hatten. Mal sehen, was die Zeit so bringt bis zum nächsten Album......


Gönnst Du Dir den Luxus und kaufst mal Demos von anderen Bands? Was ist denn überhaupt die letzte Platte die Du Dir gekauft hast? Und was hört Ihr im Moment?

Heutzutage hat der Kauf eines Demos weniger mit Luxus als vielmehr mit Mut oder Sammelleidenschaft zu tun. Mit Mut und Sammelleidenschaft meine ich die Tatsache, daß ich mir relativ regelmäßig Demos kaufe, binnen der letzten zwei Jahre aber bis auf beispielsweise "Insision-Revelation of the Sadogoat" und wenige andere keinen wahren Hammer dabei hatte und mir wahrscheinlich immer weniger Demos kaufe, bevor ich nicht vorher eine Hörprobe gemacht habe. Es ist zum Großteil wirklich enttäuschend und deprimierend, daß es immer mehr Bands gibt, welche ihrer Meinung nach die ersten Gehversuche mit ihren Instrumenten gleich als Demo herausbringen müssen. Demos wie "Naglfar-Stellae Trajectio", "Amsvartner-The arrival of the fimbulwinter", "Mithotyn-Nidhogg" oder "Necrophagist-"-"", "Cryptopsy-Ungentle Exhumation", etc. kann man heutzutage suchen wie die berühmte Stecknadel im Heuhaufen. Demnach kauft man sich meistens das Demo auch erst dann, wenn das Debut einer Band überzeugt hat und man eben auch die früheren Kompositionen sein Eigen nennen will. Mit Sicherheit hat dieser Faktor auch eine gravierende Rolle gespielt als wir uns entschieden, unser erstes Material nicht zuerst mittels einer Demokassette zu verbreiten, sondern gleich den Start mit einer CD wählten, zumal es um den Studiosound sicherlich schade gewesen wäre!

Die zuletzt erworbene Platte genau zu beziffern ist nicht einfach, da es keine einzelne war. Mit dabei waren aber die neue Necrophobic-Scheibe, die neue Arcturus, Soilwork-Natural Born Chaos, die neue Terror2000, Grief of Emerald, Insision etc., allesamt Killerreleases, die momentan meinen Player heißlaufen lassen. Allübergreifend kann mal wohl sagen, daß wir bandintern aktuell unterschiedliche Musik hören, eine Momentaufnahme dessen würde aber sicher den Rahmen sprengen, somit eine diplomatische Antwort: Unverbrauchte und frische Musik, hauptsächlich natürlich DM..........und sonst alles was inspiriert und gefällt.


Wie oft probt Ihr in der Woche und wie sehen Eure Proben aus, nur Saufen, oder wie?

Wir proben in der Regel einmal pro Woche, vor Konzerten eventuell 2-3mal. Das genügt zum einen generell, zum anderen ist häufigeres Proben auch gar nicht möglich, da Veneral Disease im gleichen Proberaum regelmäßig 3mal pro Woche proben und wir auch Menschen sind, die nicht jeden Abend im Proberaum verbringen müssen und können. Gesoffen wird hierbei natürlich in solchem Maße, daß wir regelmäßig bereits nach nur fünf Minuten höchstens nur noch im Liegen spielen können, meistens die Instrumente tauschen (damit jeder mal alles ausprobieren darf) und unser weiblicher Background-Chor (plötzlich in doppeltem Erscheinen) mit uns gemeinsam, a cappella, Schlagerhymnen von good-old-Heintje im metallischen Gewand interpretieren. So einfach entstehen dann Songs wie "Bloodred Tales"!!

Also mal im Ernst, ohne klaren Kopf geht bei einer Probe eigentlich nichts. Prinzipiell spielen wir immer ein paar ältere Songs zum Aufwärmen und basteln dann an neuem Material und nach ca. 2 bis 2,5 Std. war´s das auch schon wieder für die Woche. Man muß aber vielleicht dazusagen, daß Stefan und ich unter der Woche natürlich außerdem mal mehr, mal weniger fleißig an neuen Riffs werkeln, so daß wir dann in der Probe "relativ" zeitig passende Riffs und Harmonien für einen bestimmten Song finden.


Was treiben Fragments of Unbecomming wenn sie nicht gerade Proben?

Stricken, nähen, hekeln, Strümpe stopfen, Wasser aus dem Brunnen holen, Blut spenden, die Enten und Gänse mit Brot füttern, Müll trennen, Gänseblümchen sammeln, alten Damen über die Straße helfen, Pilze trocknen, Kleber schnüffeln, Alice Schwarzer Bücher lesen, Klarina üben, mit Straßenkreide lustige und ach gar farbenfrohe Bilder auf den Gehweg malen, weinen weil die Blumen so schön blühen, die Gräber auf den Friedhöfen gießen, Kuchen backen, Weihnachtsgeschenke basteln (natürlich ausschließlich aus Stroh), und eben alles was so ein "Death-Metaller" eben sonst so macht, d.h. jeder von uns geht prinzipiell seiner täglichen Arbeit nach, da Musik hören und selbst musizieren zwei ähnlich kostspielige Hobbies sind, die finanziert werden wollen. Ansonsten sieht unser Tagesablauf auch nicht großartig anders aus, als derer Anderer. Aber die meißte Zeit verbringen wir natülich mit der Erforschung der Musikwelt.


Was bedeutet dir Metal oder speziell Death Metal, den ihr ja nunmal spielt?

Im Grunde genommen bedeutet er mir persönlich sehr viel, da mich bisher kein Musikstil über einen derart langen Zeitraum fesseln und immer wieder aufs Neue begeistern konnte. Ich erinnere mich noch genau an meine Begeisterung als ich 93/94 zum ersten Mal meine persönliche Götterscheibe "Edge Of Sanity-The spectral Sorrows" durch die Boxen hallen ließ. Seither sammele und höre ich wie ein wahnsinniger Death-Metal. Als Gitarrist fasziniert mich DM natürlich auf eine ganz andere spezielle Weise. Die Möglichkeiten, ein Riff zu schreiben, sind so unendlich breit gefächert. Zudem kannst Du jegliche Art von Emotion in ein Riff einfließen lassen und live ist es die pure Adrenalinmusik. Für mich bedeutet Death-Metal keineswegs nur langweiliges Drei-Riffs-Pro-Lied-Gebolze von der ersten bis zur letzten Minute, vielmehr kann man ein Album mit den verschiedensten Elementen füllen, Tempi nach Belieben wechseln und auch gesangstechnisch bestens variieren. Um es auf den Punkt zu bringen: Ich komme von dieser Musik einfach nicht mehr los!!!!!!


Wer ist denn zur Hölle der Poser mit dem Immortal Shirt auf euren Fotos, haha? Hat der auch Spandex- Hosen an? Das kann man leider nicht so genau erkennen, hahahaha?

Der "Poser" ist unser Bassist und er hat auf dem Foto hautenge gelbe Strumphosen an, wobei ich mit dem PC sowohl die Farbe ändern, als auch die draufgestickten Röschen und Rehlein wegretuschieren mußte. Mal im Ernst, ich bin nicht der Meinung, daß jemand mit einem Immortal-Shirt gleich ein Poser ist. Man kann sich sicherlich über den Werdegang der Band streiten (und die Bandfotos werden auch parallel immer amüsanter), Tatsache ist aber, daß sie ihren Stil nicht großartig verändert haben und mit der letzten Scheibe ein wahrlich gutes Album gezimmert haben, wenn auch für mich persönlich "Pure Holocaust" bis dato unerreicht geblieben ist. Außerdem wenn man es mal genau nimmt, haben alle Hörer von Immortal dazu beigetragen, daß sie jetzt ihren Status haben, denn: viele Hörer/Fans > steigende Verkaufszahlen > gesteigertes Interesse seitens der Plattenfirmen > Big Deal > höhere Releaseauflagen > mit Sicherheit mehr Käufer > weiteres Pushen der Plattenfirma..........so schaukelt sich das ganze eben ins unermeßliche. Wer hätte vor Jahren gedacht, daß Immortal jemals als Support von Manowar in der USA spielen würden? Die Zeiten ändern sich eben.


Ok, zurück ins Leben! Den einzigen Kritikpunkt, den ich auf "Bloodred Tales" finden könnte, ist, warum habt Ihr ein Instrumental, ein Intro und noch ein Outro? Ich finde noch ein Song im Kaliber von "Bloodred Tales"hätt`s doch auch getan, oder?

Ich verstehe schon,worauf Du hinauswillst. Das Intro ist im Grunde genommen nur eine kurze Einleitung für "Fragments Of Unbecoming" und hätte auch durchaus mit letzterem als ein Track auf der CD erscheinen können. Die Struktur der CD war mir/uns aber sehr wichtig, so gibt es z.B. keinen besseren Pusher für "Bloodred Tales" in der Mitte der CD als ein ruhiges Instrumental, da hierdurch "Bloodred Tales" garantiert gewaltiger und aggressiver wirkt. Das Outro ist eben ein schöner Ausklang, erfüllt also seinen Sinn und Zweck, und insgesamt sollte das Release ja auch vorerst ein MCD sein und vielleicht neugierig auf mehr machen. Ich kann aber versprechen, daß wir nicht zum letzten Mal einen Song wie "Bloodred Tales" geschrieben haben, denn Geschwindigkeit ist eine Droge!!!!


Ihr wollt im nächsten Frühjahr Eure erste Full-Length veröffentlichen. Das heisst, Ihr müsst schon neue Tracks in der Rückhand haben. In welche Richtung werdet Ihr euch denn "weiterentwickeln"? Ich frage deswegen, weil mich Euer Demo von der Atmosphäre, der Spielfreude und der Power etwas an das Debut-Demo von Night in Gales erinnert, die sich aber in eine ganz andere Richtung "weiterentwickelt " haben, wie es einige ihrer Fans der Ersten Stunde wahrscheinlich erwartet haben?

Hierbei kann ich Dich voll und ganz beruhigen. Unser Stil wird sich generell nicht ändern, wir haben jedoch den persönlichen Wunsch, uns dahingegend weiterzuentwicklen, daß unsere Songs noch mehr an "Power und Spielfreude" gewinnen mögen. Zum jetzigen Zeitpunkt haben wir 6-7 Songs nahezu fertig, an weiteren werkeln wir fleißig. Eines kann man aber vorab verraten: Es wird stilistisch wieder von allem etwas dabei sein, auch Instrumentale werden nicht fehlen. Selbst wir sind gespannt, wie sich das gesamte Material vor dem nächsten Studiotermin anhören wird.


Kennst Du die letzte Disinter Scheibe "Demonic Portraiture"? Ein Killer! Ansonsten müsstest Du jetzt das Interview abbrechen, in den nächsten Plattenladen laufen und das Teil abgreifen, haha! Hast Du die Jungs auch Live mit Grave und The Forsaken gesehen? Cool, häh?

Sorry, aber da muß ich passen und wohl in nächster Zeit mal in den Plattenladen wandern, um mir das Teil mal zu Gemüte zu führen. Wehe es ist nicht gut genug!! Live habe ich sie leider auch nicht gesehen, habe aber gehört ,daß Forsaken cool gewesen sein müssen. The Forsaken sind sowieso ein sehr guter Vertreter des modernen Death-Metals und haben mächtig Potiential, sowohl hinter den Klampfen, als auch hinterm Kit! Wollen wir mal hoffen, sie nochmal live erleben zu können.


Sascha, mir fallen nur noch Albereien und kindisches Zeugs ein, daher ist es besser, wenn wir das Inti beenden, hahaha. Ich hoffe, Du hattest trotzdem Deinen Spaß dabei und die Fragen waren nicht zu langweilig? Danke für die Zeit die Du geopfert hast, um Eure Band unseren Lesern etwas näher zu bringen. Viel Glück noch mit "Bloodred Tales" und ich hoffe der ein oder andere Leser bestellt sich das Teil bei Dir! Die Letzten Worte gehören, wie es sich gehört, Dir und Fragments of Unbecomming? Cheers und RAISE THE DEAD!!!! Marcus/ Carnage- Zine Ich muß jetzt auf`s Klo! Abführen!

Der Dank gilt natürlich Dir und der Carnage-Crew für dieses Interview. Meinen Spaß hatte ich mit Sicherheit, (meine geopferte Zeit stelle ich Dir bei Gelegenheit in Rechnung,haha)von Langeweile kann also keine Rede sein.. Thanx for support!!!